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Freitag, 8. Juli 2016

Torstens Reise- und Genusskommentar: Arpajon-sur-Cère / Montauban

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Die Gegenden der gestrigen Strecke habe ich zwar auch immer mal gestreift oder gekreuzt, aber ich war meist auf etwas anderen Routen unterwegs. Meine Tipps kommen somit auch wieder eher punktuell und vor allem am Ende der Etappe.

Begeistert haben mich die Felswände Roc d´Anglars bei St. Antonin Noble Val. Ich hätte hier 2014 auf dem Weg ins Priorat auch gern angehalten, denn auch der Ort soll recht sehenswert sein.
Nur ich war froh, wieder trockne Sachen anzuhaben und wollte keinesfalls aus dem Auto steigen.
Es hat nicht geregnet, es hat geschüttet...

Ich war zuvor ein Stück weit oberhalb in den Aveyron-Schhluchten gewesen und hatte den Klettersteig von Bar et Bor gemacht. Mitten im Klettersteig schlug urplötzlich das Wetter um, es begann zu gießen und ich konnte mich weder unterstellen, noch den Weg abbrechen. Zum Glück tobte sich das vorangehende Gewitter weit genug entfernt aus, aber der Platzregen erwischte mich vollends und ich konnte den Steig nur vorsichtig zu Ende klettern. Zurück am Auto half nur, mich komplett nackig zu machen, alle nassen Sachen in eine Tüte zu stopfen und vorher auszuwringen, mich dann auf ein schnell bereitgelegtes Handtuch im Auto zu setzen, mich mit einem weiteren Handtuch abzutrocken und mich dann anziehen, ohne das Auto wieder zu verlassen... Es hörte auch nicht wieder auf mit regnen, so dass letztlich nur die Flucht nach vorn in Richtung Spanien half. Erst auf der anderen Pyrenäenseite und auch da erst recht tief unten kam am Folgetag die Sonne wieder raus.

Der Nachbarort von Montricoux, wo gestern durchgeradelt wird, heißt Bruniquel und ist eines der Dörfer, die den Titel „Schönste Dörfer Frankreichs“ tragen dürfen. Zu Recht, wie wir auf der Firafahrt 2013 erfahren durften. Enge schmale Gassen mit alten Häusern, Befestigungreste und eine Burgruine, eine alte Kirche und jede Menge Museen und hier ansässige Künstler, dazu das südliche Flair, Sonne und viele sehr intensive Farben, was braucht es mehr, um den Frankreich-Fan glücklich zu machen? Klar – Katzen. Aber auch die haben wir gefunden...




Die in der Nähe liegenden Weinbaugebiete Cahors und Gaillac sind vielleicht bekannter aber auch auf der Etappe wurde am Ende durch ein Weinbaugebiet gefahren. Die Weine der Hänge um Montauban sind zwar nicht AOC qualifiziert sondern es handelt sich um Vins de Pays, was sie aber nicht daran hindert, hier und da doch gut zu sein.

Wenn man dann noch eine Unterkunft benötigt wie wir auf der Rückreise aus dem Priorat im März 2012, dann empfiehlt sich das Le Mas des Anges von Juan Kervyn ud seiner Frau. Sehr liebevoll hergerichtete Zimmer verwöhnen den Reisenden und es gibt nicht nur Chambre d´Hôtes sondern auch Table d´ Hôtes, sprich, man wird von den Gastgebern mit lokalen, zum Teil selbst hergestellten Produkten verpflegt. Wenn man nicht gerade aus dem Priorat zurückkehrt und dort qualitativ von den hochwertigen Weinen „versaut“ wurde, dann schmeckt auch der hier angebotene Rote, eine Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Tannat. Klar liegen da Welten dazwischen zu noch tags zuvor genossenen Prioratweinen und denen, die wir noch in den angebrochenen Flaschen bei uns haben, das erkennen auch die Gastgeber schnell nach einem Probeschluck, aber man darf das einfach nicht miteinander vergleichen, dann wird es auch nicht „freudlos“.





Dafür wird hier zum Frühstück auch weit intensiver aufgetafelt, als es oft in Frankreich üblich ist und die Gastgeber sind sehr gastfreundlich. Für einen Aufenthalt in dieser Gegend eine unbedingte Empfehlung.Die Domaine gehört schon zum Zielort Montauban, ist aber weit aus der eigentlichen Stadt heraus an der Straße nach Verlhac - Tescou zu finden.

Das für mich interessanteste Weingut der Coteaux et Terrasses de Montauban, wie es richtig und komplett heißt, ist die Domainede Montels im knapp 10 km entfernten Albias. Hier kann man eigentlich alles und je nach Jahrgang gelingen rot, weiß oder edelsüß am Besten. Auch hier darf man zwar keine Weltklasseweine erwarten, aber eine sehr ehrliche und vom PGV äußerst interessante und sehr vielseitige Palette an Weinen. Geöffnet ist jeden Tag außer Sonntag zu den in Frankreich üblichen Zeiten (Mittagspause von 12 bis 14 Uhr beachten) und die Betreiber freuen sich sehr über weitgereiste Besucher. Ich habe hier besonders gute Erinnerungen an einige edelsüße Weiße, von denen was in den Kofferraum wollte und wenn ich es so recht bedenke, sollte ich da bei der nächsten Möglichkeit auch mal wieder mit ranfahren...



Samstag, 20. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Annecy – Annecy-Semnoz

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Annecy – Annecy-Semnoz

Die heutige letzte Bergetappe führt auf kleinen Straßen durch den Parc Regional du Massif des Bauges.

Auf der Klettersteigtour im letzten Sommer sind wir da, auch auf vermeintlich kleinen (gelben) Straßen ausgiebig durchgefahren. Wenn ich aber jetzt die genaue Tourstrecke mit der Karte abgleiche, stelle ich fest, dass es noch kleinere (weiße) Straßen gibt, die heute zumeist genommen werden, so dass es zwar Berührungspunkte zu unserer Tour gibt, aber wenige gemeinsam gefahrene Streckenabschnitte. Dennoch eine Etappe, zu der viele Erinnerungen aufblitzen.

An Annecy selbst allerdings wenig Gute. Wir haben die so schöne Altstadt zwar gesucht, aber nicht gefunden. Es gab einen Hinweis, man solle sich nach Annecy-le Vieux orientieren, aber das muss falsch sein. Schon am Seeufer herrschte Sommerferien-Verkehrschaos und dann konnten wir nur noch nach den Ausschilderungen gucken und im Verkehr mitschwimmen. Etwas Altes haben wir nicht zu sehen bekommn, eher so eine Art Neubautristesse. Und dann stand da ein Schild „Thônes“, welches uns von der Qual der Suche nach einer wirklich sehenswerten Altstadt erlöst hat. Dafür hatten wir dann in besagtem Ort und dessem gewaltigen Felsen, der gestern mal kurz zu sehen war, entsprechend genügend Zeit.

Und auch die Suche nach einem geeigneten Biwakplatz am Lac de Annecy war ja eher chaotisch verlaufen und bescherte uns den miesesten Platz der Tour, dafür war aber das Baden in diesem wunderschön gelegenen See umso schöner. Da wir die D912 runter gekommen waren und die Radler erst die D10 rauf fahren, sind wir einige wenige Kilometer der Etappe am Seeufer letztes Jahr auch gefahren. Dann gibt es erst wieder in Le Châtelard eine Überschneidung, aber wir haben dort ebensowenig gehalten, wie es die Radler heute tun werden – im Gegenteil, die werden noch schneller unterwegs sein, gibt es ja dort die Sprintwertung des Tages.




In Aillon-le-Jeune kommen wir wieder zusammen. Wir hatten hier den dritten Klettersteig unserer letztjährigen Tour gemacht, noch einmal ein wenig spektakulärer Anfängersteig, bevor es dann ab Thônes ernst wurde mit dem Klettersteiggehen. Der Steig von Aillon-le-Jeune ist für das Gehen mit Kindern und Anfängern sehr gut geeignet. Vor der eigentlichen Schwierigkeit könnte man sogar aussteigen, für uns war das eher der Test des "an Grenzen gehens". Es gibt eine schöne Variante zweier Wege, die quasi einen „Kreis“ schlagen – wir haben hier die schwerstmögliche Variante gemacht, bei der in einem kurzen, aber knackigen Überhang abgeklettert werden musste – das vielleicht Schwerste, was einem in der Klettersteigrealität begegnen kann.




Im Anschluss an den Steig gab es noch die Besichtigung der örtlichen Käsekooperative. Eigentlich wollten wir nur Käse kaufen, aber wir wurden dann freundlich gebeten, dass wir uns auch das Museum anschauen sollten. Mit Hilfe von Überwachungskameras und durch eine gläserne Wand konnten wir auch das Produktionsgeschehen live miterleben. Die Franzosen sind da vorbildlich, Lebensmittel werden so zu Erlebensmitteln...

Wenn wir aus der Käsekooperative kommen, dann können wir endlich doch mal ein paar Kilometer gemeinsam fahren, auch wir sind dann über den Col des Pres gefahren und erst kurz vor Saint Jean d´ Arvey trennen sich unsere Wege wieder. Den dortigen Klettersteig konnten wir aufgrund Zeitmangels dann nicht mehr machen. An dem Tag wäre es zu spät gewesen, dort noch loszugehen, aber zu zeitig, um an dem Tag nichts mehr zu machen. Außerdem ist es gut so, weil es dann noch mal ein Ziel gäbe, in das wunderschöne Massiv der Bauges zurück zu kehren. Das Gebirge selbst wirkt noch nicht wirklich hochgebirgig, die höchsten Berge hier sind knapp höher als 2000 m, die wirklich gebräuchlichen Pässe sind um die 1100 m hoch, sieht man mal von der Semnoz – Höhenstraße ab, wo sich das Etappenziel befindet. Es geht die meiste Zeit durch wunderschöne Waldgebiete, wird also auch bei viel Sonne immer schön schattig bleiben. Auf jeden Fall noch mal eine Etappe für´s Auge...

Und mit der verabschiede ich mich dann schon mal, zu Paris morgen gäbe es meinerseits nichts Neues zu erzählen, daher lasse ich es sein.

Auch zur heutigen Etappe gibt es im Tagebuch der letztjährigen Alpen-Tour ein bisschen was nachzulesen und einige Fotos zu schauen. Im Teil 38 und 39 Fotos von Jörg zu unserer 4. bzw. 5. Etappe und Teil 11 bis 15 unsere Erlenbisse im Bauges und rings um Annecy, im Teil 12 auch einige hübsche Foto zum Klettersteig von Aillon-le Jeune.



Besten Dank für das Mitlesen, es hat mal wieder viel Spaß gemacht, auch wenn ich weniger Zeit als in früheren Jahren für das Tour schauen und Tourblog schreiben verwenden konnte...

Freitag, 19. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Bourg d´ Oisans – Le Grand Bornand




Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Bourg d´ Oisans – Le Grand Bornand

Wieder profitieren wir von meinen Klettersteigtouren der beiden letzten Sommer. Den Beginn der Strecke bis hoch auf den Col de Glandon haben wir letztes Jahr – allerdings in umgekehrter Richtung mit dem Auto gemacht – ein wunderschönes, sehr ruhiges Tal, wo es aber höhenmetermäßig richtig zur Sache geht. Eine richtig gute Kletterei gibt es da gleich zum Auftakt der heutigen Etappe für die Fahrer. Wir hatten uns letztes Jahr bewußt langsam abrollen lassen, um die grandiose Landschaft zu genießen. Einen Stopp gab es auch – in Le Rivier, dem höchsten Weiler des Tales. Hier gibt es ein kostenfreies „Steinbock-Museum“ zu besuchen, eine kleine, liebevolle Ausstellung zum Naturschutz und zur Fauna dieses Teiles der Alpen. Da mein Sternzeichen der Steinbock ist, war natürlich der Besuch Pflicht, aber auch Nichtsteinböcken sei das nette Museum empfohlen, wenn sie mal in der Gegend sind...





Den Teil zwischen Albertville und dem Col du Glandon habe ich ja schon zur letztjährigen Tour beschrieben, das will ich so weit nicht wiederholen – aber auch im letzten Jahr sind wir das Stück komplett gefahren – quasi in Gegenrichtung.

Col du Glandon



Halt gemacht hatten wir dabei auch auf dem Col du Glandon und weiter unten hatten wir wie im Jahr zuvor am Parkplatz des Klettersteiges bei La Chal biwakiert. Leider hat man da etliche Bäume gerodet, so dass man jetzt den Anfängerklettersteig von der Straße aus besser beobachten kann, aber auch der Biwakplatz ist nicht mehr so geschützt – dennoch ist es hier sehr ruhig und es schlief sich sehr gut.

Col du Madeleine
Auch auf dem Col de la Madeleine hatten wir letztes Jahr erneut angehalten. Allerdings hatten wir dort dieses Mal keinen Käse gekauft, denn wir hatten noch genug Käse aus der Region, in der heute das Ziel der Etappe liegt. Aber dafür war die Fernsicht im letzten Jahr deutlich besser und wir hatten auch schon mal unterhalb des Passes angehalten, wo es einen besonders phantastischen Ausblick in Richtung des Mont Blanc gab.
Wer in meinem Reisetagebuch nachlesen möchte, der beginne mit Teil 24 und lese quasi dann rückwärts noch den Teil 23. Im Teil 39 und 40 gibt es dann auch noch Fotos von Jörg zum Glandon, zum Biwakplatz La Chal und zum Madeleine – inclusive dem Mont Blanc Blick...


Montblanc - Blick



Hier ist man gleich in der richtigen Unterkategorie meines Blogs und kann sich dann die entprechenden Teile raussuchen:

Von Albertville aus wird dann anders gefahren, als wir es im letzten Jahr taten. Vorbei am Kloster Tamié geht es zunächst – den dort produzierten Käse haben wir allerdings irgendwo in diesen Tagen mitgenommen und er hat mir noch eine Zeit Erinnerung an die Tour gebracht. Der Tamié-Käse ist vom Typ her dem Reblochon nicht unähnlich, jedoch ist der ganze Laib größer und kann sehr wohl solo gegessen, als auch in der Regionalküche weiter erwendet werden.

Leider wird dann vor Thônes scharf abgebogen, um die Etappe mit einem weiteren Pass zu würzen, wir waren vor der Fahrt über den Madeleine letztes Jahr auch hier in der Gegend und haben zwei wunderbare Klettersteige gemacht. Der Steig von Thônes (Reisetagebuch Teile 16 bis 18) war dabei schon recht ansruchsvoll und lang, auch durch die Hitze wurde es eine erste Grenzerfahrung – ein wunderbarer Klettersteig, wegen dem schon ein Umweg oder sogar die Tour lohnt. Bereits von dem kleinen Städtchen aus kann man bestens sehen, was da auf einen zu kommt, denn die Klettersteiggeher sind wie bunte Punkte im Fels zu beobachten.



Auch der hier hergestellte Käse lohnt einen Halt, die Käserei kann besichtigt werden und natürlich lohnt auch der Einkauf – sei es Reblochon, Tomé des Bauges oder Beaufort und Co. Auf dem Rückweg haben wir hier noch einmal extra Halt gemacht, um weiteren Käse mit nach Deutschland zu nehmen.

Nach der letzten Bergprüfung der heutigen Etappe kommt die Straße auf die Hauptstrecke zum Col de Aravis. Dort in der Nähe haben wir letztes Jahr einen weiteren recht lohnenden Klettersteig gemacht, der es zwar nicht in die Top 5 des letzten Jahres geschafft hat wie der von Thônes, aber das lag eindeutig am Überangebot richtig lohnender Steige. Mehr zum Steig bei La Clusaz gibt es im Reisetagebuch in den Teilen 19 bis 21 zu lesen und zu sehen.

Auch im Zielort Le Grand Bornand hat es einen Klettersteig, den wir allerdings ausgelassen haben. Man braucht noch Ziele, um noch mal wieder zu kommen in diese wunderschöne Region.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Gap – Alpe d´ Huez

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Gap – Alpe d´ Huez

Nach zwei Etappen Abstinenz aufgrund nicht vorhandener Kenntnisse der Gegend kann ich mich zum letzten Teil der heutigen Etappe wieder einklinken. Lediglich durch Laragne Montéglin bin ich auf meiner 1998er Radtour gekommen und dann 6 km bis Eyguians „gemeinsam“ mit den Profis geradelt, aber ich hatte in Laragne weder angehalten noch irgendwelche Erinnerungen daran. Dank der Klettersteigurlaube der beiden letzten Jahre habe ich auch die Gegend um Le Bourg d´ Oisans kennen und lieben gelernt.



Vielleicht erkennt man sogar den Biwakplatz im Vénéon – Tal, auf dem ich in den letzten beiden Jahren jeweils eine Nacht das Zelt aufgebaut hatte. Vor zwei Jahren war das quasi unsere Alpenabschiedsnacht, letztes Jahr hatten wir dann diese Gegend etwas genauer unter die Lupe bzw. die Sohlen genommen... Zunächst waren wir im Tal der Vénéon so weit hinauf gefahren, bis es für das Auto nicht mehr weiterging und dann auf dem Weg zurück haben wir zwei wunderschöne Klettersteige gemacht. Zunächst den Steig bei Saint Christophe – en Oisans, der spektakulär am Fluss beginnt, dann aber sich doch für „nach oben“ entscheidet. Am Folgetag nach dem letzten Teilstück des St. Christophe – Steiges gab es dann eines der Highlights der letztjährigen Tour, den Steig von Vénosc nach Les Deux Alpes hinauf. Wer diese Steige und einige schöne Tage in dieser Gegend nachempfinden möchte, der lese ab hier in meinem Reisetagebuch und hole sich mit den Fotos Appetit auf Klettersteige und mehr... http://www.torsten-hammer-priorat-guide.com/blog/derpriorathammer/?p=4190





Letztlich kann man die weiteren Folgen bis zum Teil 46 lesen – das gehört alles hier in die Gegend und vielleicht überfliegt der Hubschrauber auch mal die Cascade de la Pisse, wo es einen weiteren Highlightklettersteig gab – einen der schönsten, den ich bisher gemacht habe...

Eigentlich wollten wir auch nach Alpe d´ Huez hoch, denn auch da gäbe es Klettersteige und Kletterfelsen, aber es war einfach zu heiß in diesen Tagen. Und von dem Retortenort an sich versprachen wir uns nicht viel Sehenswertes – und mit Les Deux Alpes hatten wir ja schon eines dieser Massentourismusorte kennenlernen müssen. Für mich lebt das Ganze eher von der Landschaft als von diesen unbehaglichen Orten, von denen man alle kennt, wenn man einen gesehen hat. Und da es uns für die Klettersteige der Alpe d´ Huez zu heiß war, haben wir uns lieber Le Bourg d´ Oisans und das hübsche alte Dorf Mizoen angeschaut. In Mizoen fanden wir auch einen hübschen Biwakplatz, alles im Reisetagebuch zu sehen...




In meinem Atlas steht für den Col de Sarenne sogar 2009 m als Höhenangabe, das wäre dann das heimliche Dach der diesjährigen, recht niedrig gehaltenen Tour. Bis dort hoch sind wir nicht gefahren – aber gemeinsam mit Alpe d´ Huez wird das hoffentlich noch eines Tages passieren. Auf jeden Fall würde ich Mizoen als Übernachtungsort jederzeit wieder wählen...


Sonntag, 14. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Givors – Mont Ventoux

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Givors – Mont Ventoux

Die ersten Kilometer der heutigen Etappe bin ich 1997 im November geradelt, unterwegs mit Start in Paris und Zwischenziel in Voiron. Die Kilometer zwischen Givors und Vienne werden aber die einzigen sein, die ich kenne, danach kommen nur noch Punkte, wo sich diverse Strecken kreuzen werden.

Auf der damaligen Radtour konnte ich nicht immer zelten, das Novemberwetter war zwar recht regenarm, aber manchmal musste ich das Zelt früh noch feucht zusammen packen und das war mir dann ein Graus, abends in ein noch nasses Zelt schlüpfen zu müssen. Also habe ich mir immer mal ein Zimmer gegönnt zwischendrin, auch, um das Zelt wieder trocken zu bekommen. So machte ich denn auf der 1997er Tour auch die Bekanntschaft mit dem Côte Rôtie Winzer Gilles Barge, der in Ampuis seine Weine macht, der aber auch Fremdenzimmer vermietet. Eine Flasche Côte Rôtie von ihm habe ich noch im Keller, die müßte mal so langsam getrunken werden. Wenn es nicht immer so viel aus dem Priorat gäbe, was sich vordrängelt...

Schade nur, das die Radler das Rhône-Tal verlassen, bevor es landschaftlich richtig reizvoll zu werden beginnt und auch, bevor die ganzen Weinbaugebiete kommen. Da hätte ich nämlich gut mitreden können, bin ich doch schon oft das Rhône Tal rauf und runter gefahren, ohne die Peage- Autobahn zu nutzen. Ich kenne eigentlich beide Flussufer somit recht gut und entsprechend lang hätte dieser Vortrag hier ausfallen müssen. So aber wird abgekürzt...



Vienne mit seinen vielen römischen Bauten hatten wir 1994 auf einer Radtour, von den Vorgebirgen der Alpen kommend, recht ausführlich besichtigt, der Stadtbummel lohnt wirklich, auch die Kathedrale ist sehr sehenswert. Einen Restauranttipp habe ich allerdings leider nicht. Einmal später hatte ich mir auf der Durchreise in der Nacht von Sonntag auf Montag im Vienne gegenüberliegenden kleinen Ort Sainte Colombe ein Zimmer nehmen müssen und dachte, es wäre schön, nach Vienne über die Rhônebrücke rüber zu laufen, einen abendlichen Spaziergang zu machen und dabei irgendwo gepflegt essen zu gehen. Keine schlechte Idee eigentlich, aber Sonntagabend sind halt viele Restaurants geschlossen. Und als ich endlich was fand, bot das eine nur sehr mittelmäßige Küche – keine Empfehlung also...

Wir verabschieden uns also von der von mir präferierten Strecke durch die Weinbaugebiete der nördlichen Rhône und gucken, wo ich die heutige Tourstrecke überall gekreuzt habe.
Zuerst wäre da Beaurepaire – hier auf der 1997er Radtour, als ich aus dem Rhône-Tal kam und gen Voiron wollte. Hier war es schon dunkel und ich wollte nur noch Kilometer schrubben, also gab es kein Anhalten hier.

Im Gegensatz zum nächsten Ort Hauterives – 1994 im Sommer waren wir hier vom Chartreuse – Massiv kommend hier mit den Rädern un bevor es nach Vienne ging, schlugen wir noch einen Bogen durch das Massif du Pilat auf der gegenüberliegenden Rhône-Seite. Wir waren jung und berg-geil.

In Hauterives muss man unbedingt das Palais Ideal besichtigen, eine Art „Riesenkleckerburg“ - das Lebenswerk eines Briefträgers namens Cheval. Immer wenn er mit der Arbeit fertig war, hat er an diesem phantasiereichen Gebilde gearbeitet, jahrelang. Und als er meinte fertig zu sein, schuf er sich auf dem Friedhof in gleichem Stil sein eigenes späteres Grab, welches wir uns damals ebenso angesehen haben wie das „Palais“ Ein märchenhafter Ort zum Verlieben. Ich hab das damals wörtlich genommen.



Romans-sur-Isere kenne ich nur vom Daran-Vorbei-Fahren. Ich war mit Klaus-Peter von Ulm aus unterwegs ins Priorat und wir fuhren auf seiner Standardstrecke. Dafür kenne ich dann Crest wieder recht ausführlich. Ich kam seinerzeit per Auto von Grignan, um dann weiter nach Die zu fahren. Crest ist dann einfach ein Pflichthalt, denn dieser Ort ist so malerisch in den Berg gebaut, dass es Spaß macht, durch die engen pittoreken Gassen zu streifen. Das Auto sollte man aber unten stehen lassen, wie im Midi oft üblich, haben die Straßen und Gassen auch mal unerwartet Treppenstufen. Manches nennt sich nur Straße, sieht aber so aus, als seien es Treppen durch Häuser und Höfe. Auch durch die alten Häuer an sich fühlt man sich um einige Jahrhunderte zurück versetzt.

Fährt man weiter nach Die, dann findet man ein kleines Weinbaugebiet mit interessanten Schaumweinen – die Clairette de Die. Hab ich leider nichts mehr im Keller von, aber wäre ich in der Gegend, würde sich das wieder ändern. Die heutige Tourstrecke aber schlängelt sich geschickt zwischen allen Strecken durch, die ich mal gefahren bin.

Nyons, hier kurierte sich der Priorat-Hammer bei einem karibischen Mahl

Nächster Kreuzungpunkt ist Nyons, wo man auch ein empfehlenswertes Olivenöl findet. Ich kam per Rad 1998 vom Col de la Bonette runter, hatte einen Sonnenstich erlitten und infolgedessen tagelangen Dünnpfiff – ich ernährte mich in dieser kraftraubenden Gegend ein paar Tage lang nur von trockenem Baguette, Bitterschokolade und Enzianschnaps. In Nyons wollte ich mir die hübsche Altstadt anschauen – es war Mittagszeit und es roch überall so verführerisch gut. Ich hatte Wahnsinnsappetit, ahnte aber, dass das Essen Perlen vor die Säue sei. Der Appetit siegte, ich entschied mich für ein Lokal mit der Küche der französischen Karibikinseln. Und hinterher war gut. Ich hätte mich im Kreisel am Ortsausgang entscheiden müssen, auf dem schnellsten Weg zurück nach Aniane oder Richtung Ardecheschlucht und wie geplant ins Zentralmassiv. Ich fuhr einmal den Vollkreis und in der zweiten Runde raus – in Richtung Ardeche. In Valréas nebenan durfte ich mir dafür dann ein Etappenende der Tour de France der Frauen anschauen.

Vaison la Romaine hatte ich im November 1991 besichtigt, als ich die Sprachschule in Avignon besuchte. Damals hatten wir eine Tagsexkursion mit vollem Programm – vormittag einen Winzerbesuch in Châteauneuf, dann einen Degustationskurs in Suze la Rousse und am Abend Freizeit in Vaison, um Winzer zu besuchen oder die römischen Stätten zu besuchen. Ich hatte mich damals noch für die römischen Ruinen entschieden, heute wäre wohl eher ein Winzerbesuch meine Präferenz.

Nebenan Vinsobres – wird heute knapp gestreift – hat ja inzwischen eine eigene AOC – ich war selbst noch nicht in dem Dorf, aber auf einer Weinmesse von ausschließlich Rhônewinzern hatte ich mir erste Flaschen Vinsobres AOC aus 2005 mitgenommen. Bislang ist mir anhand dieses Weines aber qualitativ noch schleierhaft, warum die Weine dieses Dorfes eine eigene AOC verdienen und andere Dörfer in der Ecke nicht.

Dentelles de Montmirail, der Ort unten ist Gigondas




Als letztes möchte ich noch auf die Dentelles de Montmirail hinweisen. Hier habe ich einmal im Februar ein paar nette Stunden kletternd verbracht, allerdings ohne Topo – ich wußte also nicht, was ich da tat, aber es war gut so. Wunderschöne Routen in griffigem Kalkstein, da kam einfach nur Freude auf, genau wie hinterher in Gigondas beim Weinkosten und -kaufen.

Und der Ventoux ist von da aus wenigstens schon sichtbar. Man braucht noch Ziele im Leben...


Samstag, 13. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Saint-Pourcain-sur-Sioule - Lyon

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Saint-Pourcain-sur-Sioule - Lyon

Heute starten wir im Hauptort der gleichnamigen Wein Appellation Saint Pourcain. Hier gibt es einfache, aber charakterstarke und dabei sehr preiswerte Trinkweine, die auch hervorragend zur Küche der Auvergne mit ihren Würsten und Käsen passen. Die Roten bestehen aus Gamay und Pinot Noir und sind im Charakter den Weinen der Côtes d´ Auvergne nicht unähnlich, vielleicht tendieren sie ein wenig mehr zum Beaujolais – es fehlt der Vulkancharakter de Côte d´ Auvergne. In den Weißen finden wir neben Sauvignon Blanc und Chardonnay auch eine lokale Rebsorte, die Tressallier.

Bereits seit langen Jahren kenne ich die örtliche Kooperative, die auch einen Weinladen beherbergt. In dem werden auch andere interessante Weine aungeboten, hier habe ich neben den lokalen Erzeugnissen auch schon mal was Nettes von der Rhône gekauft. Zudem gibt es im Ort ein sehr sympathisches Geschäft, wo man Spezialitäten der Region gleich dazu kaufen kann. Ich habe dort schon ein paar mal lokale Senforten und hervorragendes Walnussöl gekauft, welches unweit in Charroux, einem der schönsten Dörfer Frankreichs produziert wird und welches ich bei einer Besichtigung vor Ort erstmals entdeckt hatte. Hier findet man natürlich auch Weine des Anbaugebietes von kleineren Erzeugern. Besonders Ausschau halten sollte an nach Weinen vonSerge und Odile Nebout und der Domaine Grosbot-Barbara, beide Erzeuger habe ich bereits kennenlernen dürfen. Sicher darf man von hier nicht die größten Weine der Welt erwarten, aber dafür ist man meist nur zwischen 3 und 5 € pro Flasche ärmer – wobei sich gerade Grosbot-Barbara auch schon mal in andere preisliche Höhen und entsprechend höher Qualitäten aufschwingt.




Aber auch den Rastplatz neben der Kooperative kenne ich bereits zur Genüge, mehrfach habe ich dort bereits gezeltet und nicht immer bei einfachsten Bedingungen. Einmal mussten wir zum Kochen in den Vorraum der Toilette flüchten, weil es plötzlich ernsthaft anfing zu schütten. Zum Glück stand das Zelt schon...
Ein anderes Mal – es war nach Weihnachten, ich auf dem Weg nach Aniane, wachte ich hier frühmorgens auf und fand mich im Schnee zeltend. Er war sooo lautlos gefallen und ich hatte im warmen Schlafsack tief und fest geschlafen.

Auch die ersten Kilometer der Etappe kenne ich, allerdings von einer Autotour, bei der ich mir diese Gegend hier mal näher angeschaut hatte, statt immer nur durch zu fahren. Auch durch Lapalisse bin ich häufiger durchgefahren, einmal allerdings machte ich auch Halt, um mir den kleinen Ort mit seinem beeindruckenden Schloss anzuschauen. Heute fährt man aber auf einem neuen Autobahnabschnitt an der kleinen Stadt vorbei. Dennoch ist auch die Gegend um Lapalisse eine Ecke, wo ich häufig nach Biwakplätzen schauen musste. Egal, ob ich von Deutschland kam oder dorthin zurück wollte. So kenne ich denn hier auch ruhigere und weniger ruhige Plätze. Meist aber nur von der für mich Standardstrecke Vichy – Paray-le-Monial her.




Die Tourstrecke im weiteren Verlauf kenne ich dann nicht mehr, wenn ich hier auf Entdeckungstour war, dann meist weiter höher drin in den Bergen. Erst später ab dem Beaujolais und Lyonnais kenne ich die Gegend wieder bzw. kreuze den Verlauf noch zwei Mal. Einmal bin ich von Lyon kommend ins Beaujolais gefahren, mit dem Auto schon – um dort noch bissel Wein zu kaufen, allerdings bevorzuge ich Erzeuger im Gebiet der Cru´s, welches aber nördlich der Tour-Strecke liegt. Dort war ich dann in den 90ern auch mehrfach schon per Rad unterwegs.

Die Tour-Radler müssen sich mit Weinen der einfacheren AOC Beaujolais und mit denen der Côte Lyonnais zufrieden geben – einen letzteren hatte ich wohl selbst noch nie im Glas. Und auch Lyon meide ich lieber – zuviel Verkehrschaos, mitunter auch schwierige Ausschilderungen. Bei unserer ersten Jugendaustauschfahrt nach Aniane im Februar 1991 waren wir daher hier vom Wege abgekommen und fanden uns mitten in der Stadt wieder – vor uns blockierten zwei Autofahrer die Straße und demolierten sich gegenseitig mit Fäusten und Vorschlaghammer die Autos – jemandem, der hupte, weil er durch wollte, drohten sie auch gleich gemeinsam das Auto zu zertrümmern. Wir wurden recht klein auf den Sitzen unseres damals geliehenen Kleinbusses...

Im November 1997 wollte ich dann per Rad vorbei an Lyon. Ich war damals in Paris aufs Rad gegangen, von Orleans bis hinter Nevers an der Loire aufwärts geradelt, kam zwei Tage zu spät – nach dem Beaujolais-Nouveau Tag nach Romaneche – Thorins und war nun auf dem Weg nach Voiron am Chartreuse Massiv. Durch Lyon aber wollte ich auch nicht per Rad. Bei Tassin-la-demi-Lune habe ich dann die heutige Etappe gekreuzt, auf dem Weg nach Givors und weiter ins Rhône-Tal. Die Ecke war damals aber auch schon richtig gehend zugebaut und ich hatte drei Kreuze geschlagen, als ich dem Moloch wieder entronnen war.


Freitag, 12. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Tours – Saint-Amand-Montrond

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Tours – Saint-Amand-Montrond

Meine 2006er Tour durch Frankreich, allerdings mit dem Auto, führte von Langeais (gestrige Etappe) in einem etwas größeren Bogen nach Süden, bevor dann wieder auf die heutige Touretappe trifft. Ich fuhr damals zunächst nach Richelieu – heute ist allerdings der Kardinal, der von dort stammte, berühmter als der durchgeplante Ort mit seinem Festungscharakter. Das Haus von Kardinal Richelieu beherbergt heute ein sehr lebendiges Katzenmuseum – daran erinnernd, welche leidenschaftliche Beziehung den Kardinal mit seinen bis zu 27 Katzen verband – die Katzen hatten sogar, wie in damaliger Zeit bei Berühmtheiten üblich einen Vorkoster, der das Essen testen musste, um zu sehen, ob es nicht vergiftet war.

Weitere Stationen waren Angles-sur-Anglin (eines der schönsten Dörfer Frankreichs), das Klettergebiet am Ufer der Gartempe und der Zoo bei Azay-le Ferron.




Auch 2009 war ich noch mal in diesem sehr empfehlenswerten Zoo, wir besuchten auch das beschauliche La Roche Posay (nicht all zu weit von der heutigen Etappe entfernt) und das besagte Klettergebiet. In zwei Kapiteln meines damaligen Reisetagebuches (klick) habe ich da ausführlicher drüber geschrieben. Ein paar Fotos habe ich auch noch dazu...






Aber zurück zur 2006er Runde – nach meinem Besuch im Zoo Haute Touche bei Azay-le-Ferron war der nächste Stopp in Levroux, durch das die Touretappe heute führt. Ein hübsches Kleinstädtchen mit alten Fachwerkhäusern und einer sehenswerten Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Mich hatte es aber eher interessiert, noch fix ein paar Lebensmittel abzufassen und einen Platz zum Biwakieren zu finden. Im Nachbarort Brion, auch an der heutigen Strecke, habe ich dann mein Zelt aufgechlagen. Am Folgetag bin ich auf der Tourstrecke weiter gefahren bis Issoudun, wo sich dann unsere Wege trennen.

Duch das sehenswerte Städtchen Issoudun bin ich zwar schon des öfteren gefahren, aber ich habe es leider bislang noch nie besichtigt. Man muss sich ja noch Ziele lassen...

Den Rest der heutigen Etappe kenne ich nicht, allerdings war ich 2010 ein paar Kilometer südlich vom Zielort unterwegs, wer sich dafür interessiert, der lese in meinem 2010er Tagebuch (klick) auf meinem Blog.
Am Folgetag fand ich dann sogar ein kleines, fast vergessenes Weinbaugebiet bei Huriel – allerdings haben wir hier eher einfachste Trinkweine. Dennoch bin ich an solchen „Exoten“ immer gern interessiert, wenn ich irgendwo unterwegs bin...


Donnerstag, 11. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Fougères – Tours

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Fougères – Tours

Während die Bretagne noch „unbekanntes Land“ für mich ist, komme ich gegen Etappenende wieder in bekanntere Gefilde. Im September 2006 bin ich von Lothringen aus westwärts ins Blaue gefahren und habe immer dort angehalten, wo es etwas Interessantes zu sehen gab oder wo man auch mal klettern konnte. Dass man in Orléans an den Steinwällen am Loire – Ufer klettern kann, das hatte ich bereits vorher per Internetrecherche rausbekommen. Der Halt in Thoré- la-Rochette galt eigentlich dem hübschen Dorf und einem Weingut der Côteaux-du Vendômois. Doch als ich nach dem Besuch der Domaine du Four a Chaux eine Kiste Wein ins Auto laden wollte, fiel der Winzerin meine Kletterausrüstung ins Auge und sie empfahl mir die Kletterfelsen des Ortes. Gesagt, getan, ich verbrachte einen vergnüglichen Nachmittag an den 10 bis 15 m hohem Felsriegel am Ufer der Loir. Und biwakierte am Ende dann auch gleich dort, denn ich hatte hier noch mehr vor...

Das Gebiet ist zwar noch ein paar Kilometer von der Tourstrecke entfernt, aber ich will es euch dennoch ans Herz legen. Auch hier gibt es wie an anderen Stellen ringsum in der Touraine die Habitations Troglodytiques, in den Tuffstein gegrabene Höhlen, vor die man nur eine Wand gezogen hat und in denen heute noch Leute wohnen. Ich konnte mir in Trôo und Umgebung ein paar mal solche Wohnungen anschauen, die Leute bitten einen oft gleich herein, wenn man von außen interessiert stehen bleibt. Manche dieser Höhlenwohnungen werden auch als Ferienwohnungen vermietet, eine urige Übernachtungsart in dieser Gegend.






Westlich an die Côteaux-du Vendômois schließen sich zwei weitere Weinbaugebiete an, die Côteaux-du-Loir und der höherwertige Cru Jasnières. Die beiden AOC´s sind die einzigen Weinbaugebiete des Departments Sarthe, welches ja heute auch durchradelt wird. In den Côteaux-du-Loir gibt es alle drei Farben, weiß, rosé und rot, wobei am Interesantesten die Rotweine aus der Pineau d´ Aunis sind. Die leicht schrägen Aromen dieser autochthonen Rebsorte haben mich ein wenig an Poulsard aus dem Jura erinnert. Der Jasnières ist dagegen dem Weißwein vorbehalten, der einzig aus Chenin (hier auch Pineau de la Loire genannt) gemacht wird. In den besten Jahren gibt es auch edelsüße Varianten davon. Alles sehr rare Weine, die man außerhalb der Region nur schwer findet.

Ich habe damals Elisabeth und Benoît Jardin besucht, ihr Weingut, damals auf dem Weg zur Ökozertifizierung, heißt Les Maisons Rouges. Benoît ist unwahrscheinlich gastfreundlich und war hocherfreut, Besuch aus Deutschland zu bekommen – was hier wohl eher selten ist. Ich bekomme den Betrieb gezeigt und erläutert, es gibt Fassproben (unter anderem von genialen edelsüßen Weinen aus dem Jahrgang 2005) und dann darf ich unter großen Bäumen Platz nehmen und muss mich durch die gesamte Kollektion kosten. Ein paar Flaschen liegen immer noch im Keller – erst letztens hatte ich mir einen 2003er Clos des Molières (Jasnières) gegönnt. Ein nicht all zu süßer und weniger fetter Chenin Blanc Stil als z.B. beim Chaume oder Vouvray, dazu kommt eine gute unterstreichende Säure und eine sehr komplexe Aromenpalette. Schade, dass nur 0,5 l in der Flasche waren. Seine ** im 2006er Guide Hachette hatte der Wein zurecht. Zu finden ist das Weingut außerhalb des Dörfchens Ruillé-sur-Loir – wer in der Gegend ist, dem sei dieser wunderbare Winzerbesuch unbedingt ans Herz gelegt.






Weit gekommen bin ich danach nicht mehr, aber am Lac de Varennes fand ich einen guten Platz zum Biwakieren und eine Möglichkeit zum Klettern, allerdings künstlich. Dennoch kann man sich daran mal eine halbe Stunde austoben.
Kurz hinter der heutigen Sprintwertung bin ich dann 2006 bei Clére-les Pins auf die Tourstrecke gekommen. Allerdings habe ich einen längeren Stopp in Langeais gemacht. Das dortige Schloß ist zu sehenswert, als dass man dort einfach daran vorbei fahren möchte. Ich komme ja eigentlich vom Radwandern und da war es zu DDR – Zeiten Usus, an besonders sehenswerten Punkten zu rasten. Für die DDR-Radwander-Jahreswertung gab es pro Tag je Besichtigung bis zu 3 Mal am Tag 200 Extra – Wertungspunkte – die sogenannten Kulturpunkte...
Das Schloß von Langeais ist von außen, wie auch von innen sehr sehenswert und der nicht ganz billige Eintritt lohnt sich hier schon weit mehr wie bei manch anderem Schloß. Aber auch ein Gang durch die kleine gemütliche Altstadt lohnt.

Château de Langeais

Über die Loire fahren wir noch gemeinsam, aber dann rasen die Radler auf Tours zu und auch ich rase dann mal ein Stück – vorbei am sicher ebenso lohnenswerten Schloß von Azay-le-Rideau und dem dortigen Weinbaugebiet (eine Unterappelation der Touraine) – mein nächstes Ziel hieß 2006 Richelieu...

Montag, 8. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Saint Girons – Bagnères de Bigorre



Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Saint Girons – Bagnères de Bigorre

Die diesjährige Pyrenäenachterbahnfahrt kenne ich nur teilweise und über das meiste davon habe ich bereits in früheren Tour – Blogs berichtet.

Den Startort und die ersten Kilometer kenne ich leider nicht aus eigener Erfahrung. In diesem Pyrenäenabschnitt bin ich eher auf der spanischen Seite unterwegs, denn da ist es mit dem Port de Bonaigua deutlich spektakulärer – das ist immerhin der höchste spanische Pyrenäenpass. Den hatte ich in den 90ern sogar per Rad bezwungen. Später dann bin ich immer mal wieder mit dem Auto drüber – zuletzt letztes Jahr auf der Fahrt ins Priorat. Da mische ich mich dann auch ins Geschehen der Tourstrecke ein, den Col du Menté fuhr ich dort erstmals mit dem Auto, nahe Henne- Morte kommen wir auf die Tourstrecke, nachzulesen im letztjährigen Fira-Tagebuch:


Im 9. Post auf dieser Seite, später dann auch die Überquerung des Port de Bonaigua. Das Spannende bei der Fahrt über den Menté Pass war für uns die Frage: Reicht der Sprit oder reicht er nicht? Auf jeden Fall war das die nervenaufreibendere Frage als die vielen vor uns bergauf kriechenden Baufahrzeuge. Oft hielten sie in der nächsten Außenkurve freundlicherweise, um uns überholen zu lassen.
Über Saint Beat und die folgende Streckenführung habe ich bereits früher berichtet, neue Erlebnisse sind seitdem nicht hinzugekommen, daher auch keine neuen Tipps. In dieser Ecke gibt es ja leider nicht so viele Straßen zur Auswahl, daher ist es oft nur eine Frage der Richtung, in der gefahren wird.
Und ich habe nach langen Jahren mit Pyrenäenurlauben meinen Schwerpunkt in den letzten Jahren eher auf die näher gelegenen Alpen verlegt. Die immer höher gestiegenen Spritpreise sind daran nicht unschuldig.

Die in diesem Jahr gefahrene kleine Straße über den Col du Val Louron – Azet entdecke ich auch erst jetzt gerade beim Nachschauen der Strecke auf der Karte – dieses Eckchen wäre dann tatsächlich auch für mich mal noch eine neue Variante, die ich noch nie bislang im Auge hatte. Ja ja, es gäbe schon noch was zu tun – auch in den von mir vielgeliebten Pyrenäen. Erst bei Saint Làry Soulan kommen wir wieder auf mir bekannte Straßen, die dort weggehende Straße durch den Tunnel von Bielsa ins Spanische gehört aber nicht zu meinen Favoritenstrecken.

Wildromantische Bergwelt in den Pyrenäen, rechts der La Munia

Wenn man aber auf den La Munia will, dann muss man am Besten dort lang und dann eine kleine Straße rauf nach Chisagues und dann, soweit das Auto mitmacht, auf unbefestigter Strecke weiter – den Rest muss man dann laufen. Wir fanden einen Parkplatz nahe einer Schäferhütte mit Stall. Und machten uns von dort aus frohen Mutes auf den Weg. Leider mussten wir vorzeitig umkehren, denn von zwei Seiten kamen Gewitter auf uns zu. Es ist nicht wirklich ratsam, sich diesen Gewittern auszusetzen, selbst kleine Höhlen bieten in dieser Höhe keinen wirklichen Schutz, wie wir erfahren mussten. Einige Tage zuvor hatten wir von Gavarnie aus Touren im Gebiet der Breche de Roland gemacht – wir bestiegen den La Casque kletternderweise und den Taillon wandernderweise. Beides, ebenso wie der Munia, 3000er. Auf dem Weg zum Taillon kommt man an einer etliche Meter in den Fels hineingehenden Höhle vorbei, an der draußen eine Gedenktafel an einen in der Höhle vom Blitz getroffenen Deutschen erinnert. Dieses noch vor Augen machten wir beim Entdecken der auf uns zu kommenden Gewitter kehrt und stiegen so schnell es ging wieder ab. Wir erreichten auch das Auto und entdeckten, dass die Hütte offen war – wir machten es uns gemütlich und harrten aus, bis die Gewitterserie vorbei war. Aber auch am Folgetag sah das Wetter nicht gut aus und wir beschlossen den Rückzug. Den zurückgelassenen Sack auf dem Weg zum La Munia würde ich gern noch mal abhängen, schon allein deswegen, weil ich von den Geiern in der Gegend so begeistert war. Noch nie war ich diesen Tieren ohne Käfig so nah gekommen wie an diesem Tag. Das war schon sehr beeindruckend – die Geier zeigten sich von uns Menschen völlig unbeeindruckt – zumal wohl dort sehr selten jemand lang wandert. Wir haben an den zwei Tagen nicht eine Menschenseele getroffen und auch als ich schon mal Jahre zuvor eine Wanderung über die angrenzende Sierra de Espierba machte, waren wir dort die einzigen Menschen, beobachteten aber die mutmassliche gleiche Geierkolonie aus etwas weiterer Entfernung. Auch Murmeltieren kann man dort fast die Hand geben, so wenig Scheu zeigen sie in dieser von Menschen gemiedenen Gegend.


Auch die schmale Straße über die Hourquette d´ Ancizan wollte ich zwar immer schon mal fahren, aber es hatte sich bislang nie ergeben, irgendwie musste es immer über den Aspin gehen. Man sollte sich eben noch Ziele lassen.

Keine neuen Ziele mehr für mich sind in Sainte Marie de Campans – die Kletterwege, die ich dort machen konnte, habe ich gemacht. Aber ich erinnere mich gern an den wunderschönen Kalksteinfelsen dort, ebenso wie an das hübsche Dörfchen mit seiner Kirche und den kleinen Läden.

Nicht wirklich reizen kann mich auch der Zielort – wahrscheinlich liegt er mir schon zu tief. Lieber gehe ich immer wieder über den Tourmalet – das kann man im Leben nicht oft genug gemacht haben...


Samstag, 6. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Castres – Ax-3-Domaines

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Castres – Ax-3-Domaines

Auch den heutigen Startort Castres kenne ich von meiner 1991er Radtour. Allerdings kam ich damals über die Montagne Noire und bin ins Sidobre weiter geradelt, hatte also ein deutlich bergigeres Profil und entsprechend sind meine Erinnerungen an eine Stadt in den Bergen. Besser aber müßte es heißen, eine Stadt zwischen den Bergen mit Fluchtmöglichkeit ins Flache – und das wird heute erst mal genutzt.

Die Kathedrale, den Garten des Bischofs und die alten Häuser am Ufer des Agoût hatte ich mir damals natürlich angesehen, mich hat ja nichts gehetzt.

Frankreich vom Feinsten: Castres am Agoût

In Revel, einer sehr schönen Bastidenstadt, in der ich schon öfter als einmal kurz verweilte, treffen wir auf eine mögliche Variante zur Fahrt ins Priorat, die ich immer dann gern nutze, wenn ich Angst hatte, in Andorra läge zu viel Schnee. Oder eben, weil es sich so ergeben hat. Lange Zeit bleiben wir nun auf dieser Strecke – schade, dass ich nicht die Zeit habe, die Etappe vor dem Fernseher zu verfolgen. Anfangs ist die Landschaft noch recht unspektakulär, aber spätestens hinter Castelnaudary ändert sich das. Für das kleine quirlige Städtchen, das berühmt für sein Cassoulet ist, sollte man immer etwas mehr Zeit einplanen. Nicht für ausgiebige Besichtigungen, aber für das Durchkommen – Leute wie ich haben ja nicht das Privileg, dass uns die Straßen zur schnellen Durchfahrt gesperrt werden...

Dann kommt noch mal Rebstock an Rebstock – zunächst passieren wir das Weinbaugebiet der Côtes de Malepêre, das für einfache, aber süffige Rote bekannt ist. An einigen Erzeugern kommen wir direkt vorbei, aber wer richig gutes Zeug sucht, der fährt gleich durch nach Limoux. Hier kennt man gleich mehrere AOC´s – für Stillweine wie auch für diverse Schäumer, die oft sehr gut und dabei recht preiswert sind. Ich mag recht vieles von dem, was hier produziert wird, die Roten hinkten lange Jahre den Weißen, die überwiegend aus Chardonnay sind, deutlich hinterher, aber seit ca. 1998 – 2000 haben sie sich gleichberechtigt neben die Weißen und den Schaumwein setzen können. Besonders interessant ist die Blanquette de Limoux Methode Ancestrale, die aus Mauzac besteht und bei deutlicher Süße nur etwa 5,5 ° Alkohol hat. Sehr probierenswert, wenngleich auch die ernsten Schäumer heute gefragter sind.

Limoux, ringsum Reben

Schon sind wir im Tal der Aude und damit erneut auch auf meiner 1991er Radelstrecke. Ich käme allerdings den Rennfahrern entgegen. Das Tal der Aude wird immer schöner und hält mancherlei Schluchtabschnitte bereit, das ist dann richtig was für´s Auge. Besonders schön sind die Abschnitte vor und hinter Quillan.

Ich bin 1991 vor Axat aus der wunderschönen Gorges du Rebenty gekommen. Die Tour aber geht noch weiter hoch, so als ob ich über die Cerdagne rüber ins Priorat wollte. Erst hinter dem unscheinbaren Usson les Bains trennen sich die Wege. Für mich geht es hinauf in die Cerdagne, die Radler nehmen die kleine und eher unbekannte Paßstraße über den Port de Pailhères, der immerhin 2001 m Höhe mißt – auch für mich muss es noch Ziele geben...

Erst ganz kurz vor Ax-les-Thermes komme ich wieder auf die Radelstrecke von 1991 – wo ich von Andorra runter kam. Seither ist das Halten in Ax-les Thermes für mich ein Kult – Halt....
Warum, das steht in meinem diesjährigen Tagebuch zur Fira Tour 2013, an dem ich gerade schreibe...



Dienstag, 2. Juli 2013

Torstens Genusskommentar: Cagnes sur Mer - Marseille

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Cagnes sur Mer - Marseille

Auch von der Strecke dieser Etappe kenne ich leider nicht viel, durch Draguignan bin ich 1991 mal durchgefahren. Ich leitete damals im Sommer einen ersten deutsch – französischen Jugendaustausch unseres Sportvereines. Mit einer Gruppe aus Burgund waren wir in der Provence am Lac de Sainte Croix und einen Tag fuhren wir ans Mittelmeer nach Saint Raphael.
Seither kenne ich die Bedeutung des Spruches: „Ich war einmal am Mittelmeer, jetzt hab ich keine Mittel mehr...“ Bloß gut, dass damals für uns gesorgt war und wir uns nicht selbst versorgen mussten.


Ich selbst mag das Hinterland der Provence dann schon mehr, die Verdon-Schluchten, Moustiers Sainte Marie, oder auch die provencalischen Alpen, das übte eher Anziehungskraft auf mich aus, als die zugebauten meernahen Landstriche. Der Karte nach scheinen die Fahrer aber den goldenen Mittelweg zu nehmen.



Den Zielort Marseille kenne ich ebenfalls von einem Jugendaustausch, dieser fand über den Jahreswechsel von 1991 auf 1992 statt. Unser Partner war eine Gruppe Maghrebiner, die in Marseille lebten. Und so wie das wohl einer der für mich schwierigsten internationalen Jugendprojekte war, so wenig wird auch Marseille meine französische Lieblingsgroßstadt werden. Im Gegenteil, ich hatte danach nicht noch einmal das Bedürfnis, Marseille zu besuchen.

Die Stadt selbst war dabei so schlecht nicht, es gab schöne Viertel in Hafennähe oder rings um Sacre Coeur, zweifelsohne. Auch, dass es hier zum Jahreswechsel richtig grün war und der Himmel besonders blau, das sind Pluspunkte. Auch die Jugendherberge, in der wir untergebracht waren, hatte ich als korrekt in Erinnerung. Aber Maghrebiner sind nun mal keine Franzosen und viele wollen das auch nicht sein...
An guten Wein kann ich mich nicht erinnern, die Maghrebiner hatten gänzlich andere Genuss-Schwerpunkte. Und den deutschen Jugendlichen reichte Bier und Saft. Der Hauswein zum Essen war jedenfalls so grauslich, dass mir auch Bier und Saft reichte...


Es kommen Etappen mit schöneren Erinnerungen...