Montag, 11. Juli 2016

Torstens Reise- und Genusskommentar: Vielha Val d'Aran - Andorra Arcalis

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Die Touretappe von Vielha nach Andorra – Arcalis ist für mich fast schon wie nach Hause kommen. Auf diesem Streckenabschnitt kenne ich fast jeden Kilometer wie meine sprichwörtliche Westentasche. So oft war ich auf jede erdenkliche Art und in beide Richtungen dort schon unterwegs...

Fahren wir zunächst mit den Radlern und lassen einige Highlights der Strecke Revue passieren – um dann die Strecke noch mal in Gegenrichtung am langen Stück unter die Räder der Erinnerungen zu nehmen...

Vielha – der wuselige Touristenort im Zentrum des Aran – Tals ist zwar nicht sonderlich hübsch, besticht aber durch seine tolle landschaftliche Lage. Übernachtet habe ich hier auch schon – dazu aber am Ende des Berichts mehr. Als Stopp zum Beine vertreten und wegen des hübschen alten Ortskernes empfehle ich aber das 15 km tiefer im Aran – Tal gelegene Bossóst.



Über die Region hinaus bekannt sind die Käse aus dem Aran-Tal, überwiegend aus Kuhmilch, aber es gibt auch welche mit Mischmilch (Kuh und Schaf, seltener Ziege). Das Aran – Tal hat sich außerdem neben einer eigenen Sprache (Aranés) auch eine eigene Küche bewahrt, die deutlich französischer geprägt ist als die der anderen Gegenden in den katalanischen Pyrenäen. Kein Wunder, war ja lange Zeit jeglicher Weg nach Katalonien / Spanien sehr beschwerlich im Gegensatz zum Weg im Tal hinab nach Frankreich.

Heute aber kann man von Vielha zwischen zwei Möglichkeiten wählen, ins „richtige“ Spanien / Katalonien zu kommen – durch den Tunnel direkt Richtung Lerida oder über den Paß, den wir jetzt in Angriff nehmen.

Im oberen Aran-Tal sind die Orte ebenfalls sehr durch den Wintersport – Tourismus geprägt, aber es gibt auch ein paar nette alte Kirchen aus romanischer Zeit am Weg. Auch gibt es inzwischen im Aran-Tal zwei Klettersteige, die ich aber bislang beide noch nicht machen konnte – meist aus Witterungsgründen war mir bislang dieser Spaß verwehrt.

Der Port de Bonaigua (2072 m) ist der höchste Pyrenäenpass Spaniens. Im Winter muss hier relativ gesehen die Hölle los sein, es ist eines der bekanntesten Wintersportzentren Spaniens, im Sommer gibt es ein wenig Wandertourismus. Man kann recht einfach in ca. 2 Stunden einen eher namenlosen Berg erklimmen, von dem aus man eine gute Fernsicht hat. Man geht eigentlich immer der Nase nach, es ist ein reiner einfacher Wanderberg, aber wegen der Aussicht lohnend. Im Gegensatz zu den Touri-Imbiss Gaststätten hier oben. Außerhalb der Saison ist dort eh aber immer alles zu. Wenn ich ins Priorat fahre, ist hier immer außerhalb der Saison...





Deutlich besser kehrt man aber einige Kilometer unterhalb gegenüber einer alten romanischen Kapelle ein – den Schlüssel für die Besichtigung der Kapelle gibt es ebenso in der Gaststätte.

Die ersten Kilometer bergab ist wie auch der Paß Zone Pastorale, Neben Kühen auf der Straße gibt es hier auch Herden halbwilder Pferde und sogar eine Herde Lamas. Also Vorsicht, egal, wie man runter fährt... Sehr schön ist auch ein beeindruckender Wasserfall etwas unterhalb der Kapelle rechts der abfahrenden Strasse. Sind die Steilkurven genommen, wird es auch übersichtlicher und man kann es etwas „laufen lassen“... Aber dennoch Vorsicht vor Getier und Mitmensch...

Um Esterri d´Aneu gibt es seit einigen Jahren eine breite Umgehungsstrasse, die alte Straße hatte Spitzkehren und steile Rampen, jetzt geht es fast ohne Kurven gleichmäßig hier runter. Bei einer Rückkehr aus dem Priorat konnten wir hier direkt an der Straße sitzende Geier beobachten Schade nur, dass niemand grade was zum Fotografieren „scharf“ hatte...

Aber auch sonst gibt es hier jede Menge Getier zu entdecken, dabei ist nicht alles harmlos. Bei einer Wanderung zu einer alten Kapelle einige Kilometer weiter unten lud uns dereinst ein Bachbett unterhalb eines kleinen Wasserfalles zum Bade ein. Fast wären wir schon ins Wasser gegangen, als wir dort grade noch rechtzeitig eine Schlange im Wasser entdeckten, deren V-förmiger Kopf nichts Gutes verhieß...

Station machen müssen wir natürlich in Llavorsi. Es soll ja auch immer, wenn möglich ein Bezug zum lokalen oder wenigstens regionalen Wein hergestellt werden. Biegt man in Llavorsi in eines der Sackgassentäler ab und fährt dieses hinauf bis zum Ende der Zivilisation nach Àreu, dann kommt man an den wohl derzeit höchst gelegenen Weinberg der Pyrenäen. Wie auch in den andorranischen Weinbergen wurde hier in Àreu Riesling angepflanzt, der den kleinen Weinberg bewirtschaftende Winzer ist kein geringerer als Ramon Pahí aus dem Priorat, dessen Weine ich auch in meiner Prioratführerselektion anbiete. Der Riesling aus diesem Weinberg reicht aber momentan noch nicht aus, um daraus einen eigenen Wein zu keltern. Allerdings durfte ich bereits einen Wein probieren, wo der Riesling mit Trauben aus dem Priorat verschnitten wurde. Als Namen denkt Ramon dabei über etwas in der Richtung „L´Illegal“ nach... Solche illegalen Drogen sind dann nicht mal schlecht... - auf dem Markt ist ein solcher Wein offiziell aber noch nicht, eventuell bekommt man ihn im Restaurant in Alins, dessen Wirt der Grund und Boden des Weinbergs gehört.

Riesling-Wingert in den Pyrenäen
Zurück nach Llavorsi. Hier kann man sich auch in die Wildwasserabenteuer stürzen, die Noguera Palleresa ist diesbezüglich ein wahres Paradies. Das Flüßchen gehört je nach Wasserstand zum Extremsten, was die katalanischen Pyrenäen für Wildwasserfreaks zu bieten haben. Während ich mein Rafting Abenteuer auf diesem Fluß einst von Sort aus startete, wählte ich einige Jahre drauf von Llavorsi aus Hydrospeed. Die Strecke ist 8 km lang, in den ersten vier Kilometern wechselt tiefes ruhiges Wasser, wo man schwimmend durchkommt mit Wildwasser, wo man „geschehen läßt“ und nur versucht, sich entsprechend der vorgegebenen Kommandos zu lenken. Bei der Pause fragt der Animateur, ob jemand aussteigen will und dann geht es 4 km mit ununterbrochenem Wildwasser weiter... rasant und glücklich machend, wie das Foto beweist, was ein versteckter Fotograf von mir machte.




Sort heißt dann der quirlige Ort, wo man den Fluß weiter runter kann oder eben wieder ansteigend zum Col de Canto hoch kommt. Hier kann man im Hard Rock Café sehr angenehm speisen, einkaufen oder Berg- und Wildwasserabenteuer angehen.. Irgendwie einer der sympathischsten Orte hier in der Ecke für mich.

Die folgenden 42 km über den Col de Canto (1725 m) nach Adrall sind inzwischen nicht mehr ganz so abenteuerlich zu fahren, wie ich es euch später erzählen werde. Der heutige Radtourist ist aber immer noch gut beraten, genug Verpflegung und zu Trinken dabei zu haben...

Seu de Urgell ist der kulturelle Höhepunkt der Etappe – gemeinsam mit Andorra la Vella. Neben einigen Altstadtstraßen ist vor allem die im Kern romanische Kathedrale sehenswert. Bereits 1991 war ich hier per Rad unterwegs, von Perpignan kommend und über Andorra fahren wollend... Die Strecke über den Port de Envalira, die am Dienstag gefahren wird, habe ich also auch bereits in der Richtung auf dem Rad sitzend gemacht. Bereits damals hab ich mir die Altstadt und die Kathedrale angesehen...

In Andorra hat sich seit 1991 viel getan. Vielleicht erzähle ich anläßlich des Ruhetages noch etwas über „mein“ Andorra, jetzt möchte ich nur erst mal darauf hinweisen, dass in Andorra nicht nur ein paar Kartoffeln angebaut werden, wie in der Tourberichterstattung genannt. Bedeutendstes landwirtschaftliche Erzeugnis ist wohl seit langem der Tabak, aber seit einigen Jahren mischt sich der Kleinstaat auch unter die Weinbau betreibenden Länder. Einmal auf einer Weißweinverkostung anläßlich der Fira gab es einen andorranischen Riesling zu trinken. Und der war für mich besser als die dort ebenfalls zur Verkostung anstehenden deutschen Rieslinge (gut, das waren keine GG, eher wohl anständige Ortsweine, u.a. von Wittmann.) Der Andorraner schlug sich achtsam und eigentlich möchte ich dem Andorranischen Weinbau seither gerne mal etwas mehr auf den Zahn fühlen. Wäre es nur nicht so weit weg und würde es nicht so häufig regnen und mich schneller ins Priorat bringen, als ich wollte...

Noch nicht probiert: Andorra-Riesling
Das Tal von Ordino, in das die Fahrer zum Schlußanstieg ansetzen, ist für mich persönlich das Schönste. Noch immer ist es relativ unverbaut und die vielen kleinen Weiler laden zum Entdecken ein. Das beginnt mit dem Hauptort des Tales – Ordino mit seinem hübschen Ortskern und gipfelt im alten Llorts mit der für mich schönsten romaischen Kirche Andorras – neben der von Canillo.

Einige Kilometer hinter El Serrat kann man von der Strecke nach Arinsal auch nach rechts abbiegen und fährt dann zu einem Naturparkzentrum, wo es dann noch ca. 3 km mühsam auf unfestigtem Bergweg bergan geht bis zum letztmöglichen Parkplatz. Von dort läuft man in 15 bis 20 Minuten hinauf zur Estanyo – Hütte, die Platz für mehr als 20 Leute bietet. Die Hütte hat eine Feuerstelle, Doppelstockbettgetelle, Tische und Bämke und eine Öko-Trockentoilette. Waschen ist draußen an eiskalter Quelle. Das ganze kostet dafür nichts – es ist eine von über 30 kostenlosen Berghütten in Andorra. Man sollte aber nicht Freitag oder Samstag abend dort aufschlagen. Mitten in der Naht kommen dann leider oft Scharen andorranischer Jugendlicher, um dort Party zu machen. Mit ihrem Krach beziehen sie leider die dort schlafenden Wanderer einfach mit ein... Unter der Woche aber kann man dort auch mit den dort lebenden Bilchen alleine sein. Oder es kommen andere Natur- und Wanderfreunde aus aller Welt, die nicht stören. Den Bilchen gibt man am Besten von seinen Lebensmitteln etwas ab, um Ruhe zu haben, will man vermeiden, da sie sich in den Rucksack einnagen, um an Erdbeerkekse, Schokolade, Käse u.ä. zu kommen.

Belohnt wird man mit phantastischer natürlicher Bergkulisse und besten Wandermöglichkeiten aller Schwierigkeitsgrade . Während sich der Pic de Serrère (2911 m) einfach erwandern läßt, gibt es am einen Meter höheren Estanyo einige Routen, wo man schon mal die Hände aus den Taschen nehmen sollte. Besonders toll finde ich den Aufstieg über den Grat vom Paß zwischen Serrère und Estanyo...

Nun aber zu einem kleinen Bericht von einer Radtour 1996, als ich fast die gesamte Strecke der heutigen Etappe in entgegengesetzter Richtung erstmals kennenlernte...

Mit meiner damaligen Freundin war ich für drei Wochen von Barcelona aus per Rad und mit dem Zeltgepäck unterwegs.

Wir hatten in Porté Puymorens recht weit oben gezeltet und sind in gutem Ritt über den 1912 m hohen Col de Puymorens und den 2409 m hohen Port d´ Envalira geradelt, um uns dann lange und zügig in Andorra abrollen zu lassen. Ein kultureller Zwischenstopp in der Hauptstadt war natürlich drin, damals war aber auch vieles eine einzige Baustelle, es war nicht mehr das alte, beschauliche La Vella von 1991, aber noch nicht das moderne aufgepeppte Andorra La Vella der heutigen Tage.

Irgendwie sind wir dann doch auch schnell durchgeradelt, zumal es ja ab dem Port d´Envalira im Prinzip nur bergab ging.

Das Einkaufen von ein paar frischen Lebensmitteln hatten wir irgendwie „verdrängt“, kannten wir es doch von den kleinen andalusischen Dörfern, dass man in Spanien im Prinzip immer und überall was zu Essen und zu trinken bekam.

Und so bogen wir in Adrall ab mit dem nächsten Ziel namens Sort. Auf der Karte waren genügend kleine Orte verzeichnet... Gleich zu Beginn bekamen wir es mit sehr steilen Rampen zu tun. Das erste kleine Dörfchen namens Parroquia de Ortó hatte für uns eine kleine Kneipe parat, wo wir zur Erfrischung etwas tranken... Dann aber ging es weiter unerbittlich hinauf, langgezogen und ohne viele Kehren – ein Psycho-Anstieg, an dem du beginnst, auf die Kilometersteine zu achten, um zu erkennen, dass du vorwärts kommst... Die nächsten Dörfer waren allesamt verlassen (inzwischen haben sich wieder einige wenige Leute dort angesiedelt..) - Nichts mit einer Einkaufs- oder Einkehrstätte. Im Ruinendorf Palleróls war Schluß für den Tag, wir fanden ein Plätzchen, wo wir unser Zelt aufstellen konnten und zum Glück eine Wasserquelle. Ansonsten war Schmalhans Küchenmeister, wir teilten das Wenige an Lebensmitteln, was wir noch hatten, ein für Abendbrot und Frühstück...

Und am nächsten Morgen ging es sofort weiter mit dem unerbittlich sich in der Sonne in die Länge ziehenden Anstieg. Vor dem Pass sollte sowieso nichts mehr kommen, die Orte auf der anderen Paßseite waren ebenso wüst und scheinbar unbewohnt. Wenigstens ging es wieder bergab mit uns.
In Vilamur dann plötzlich der Hinweis auf eine Bar. Kaffee oder Bier? Was sättigt mehr? Was zu Essen? Fehlanzeige, erst in einigen Stunden gäbe es etwas. Wir bekommen ein paar Nüsse und Chips zum Bier, tapasmäßig... Der Magen knurrt die unerbittliche Wirtin an. Umsonst.

Erst in Sort unten soll der Magen zu seinem Recht kommen... Vor dem Beginn des neuen Anstieges. Im zunächst engen Tal der Noguera Pallaresa ist es ein wenig frischer und ab und an haben wir Schatten. Der Anstieg ist spürbar aber akzeptabel im Tale. Dennoch knirscht es immer wieder in den Gelenken. Im Gegensatz zu den Tour de France – Rennradlern haben wir jeder 20 – 30 kg Gepäck dabei... Die tolle Landschaft aber entschädigt für alles.

In Llavorsi machen wir eine kleine Rast und genießen das schöne alte Dörfchen. Zum Glück sind hier die Orte bewohnt...

Danach weitet sich das Tal und es geht nicht mehr ganz so steil bergan. Dennoch bleibt die Landschaft phantastisch. Vor Esterri d´Aneu ein Zeltplatz. Wir diskutieren und befinden, es sei besser zu nehmen, was wir haben können, Wer weiß, ob wir weiter oben noch was zum Zelten finden und ab Esterri soll es richtig zur Sache gehen... Der Zeltplatz ist recht teuer, dafür aber haben wir den Partylärm gratis. Gut schlafen ging immer irgendwie anders. Aber weder Probleme mit der Verpflegung noch mit dem WC. Schließlich kann nicht alles immer ideal sein...

Am nächsten Tag geht es dann hinter Esterri d´Aneu so richtig zur Sache. Zum Glück war meine damlige Freundin nicht zimperlich und wußte, wie man über die richtig hohen Berge radelt. Aber es zog sich und eine erste Bar unterwegs ist natürlich noch geschlossen und es bleibt für lange Zeit die Einzige. Dann aber kommt die Gaststätte bei der hübschen und sehenswerten romanischen Kapelle und man gewährt uns ordentlich Speis und Trank, auch wenn es noch nicht ganz spanisch-katalanische Zeit fürs Essen ist. Die letzten Kehren fahren wir mit frischer Kraft und dieser Anstieg machte insgesamt viel Spaß, auch wenn man immer wieder sah, wo es noch hin gehen wird...

Paßhöhe – kurz gucken und dann runter... - bis es knallt bei mir... Der Mantel ist geplatzt. Bäh... Meine Freundin bleibt beim Rest des Rades, ich versuche mit dem Rad bergab zu trampen, um einen Fahrradladen zu finden. Einen Schlauch hätten wir ja noch gehabt, aber einen Mantel?
Zum Glück wird mir geholfen und einige Zeit später können wir die Reise fortetzen. Dennoch haben wir genug Zeit verloren, um dann in Vielha zu sagen, hier bleiben wir für die Nacht...


Beim Sportplatz dürfen wir umsonst zelten – da wir aber in Richtung Barcelona müssen und nicht wieder nach Frankreich rein, dürfen wir uns mental schon mal darauf vorbereiten, dass am nächsten Tag der über 5 km lange Tunnel von Vielha auf uns wartet – davon etwa 4 km im Tunnel bergan und den letzten leicht bergab. Der Tunnel ist zu der Zeit insgesamt noch recht schlecht beleuchtet – aber das alles ist dann eine ganz andere Geschichte...    

Freitag, 8. Juli 2016

Torstens Reise- und Genusskommentar: L'Isle-Jourdain / Lac de Payolle

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Heute kenne ich den Etappenbeginn, allerdings nicht per Rad, sondern mit dem Auto,
Es ist eine gute Alternative, wenn man über Limoges und Montauban heruntergefahren kommt und in Richtung Vielha in die Pyrenäen will, aber dabei den Großraum Toulouse meiden möchte...

Man verläßt dann die Autobahn am Ende des mautfreien Abschnittes um Montauban und fährt über Grenade auf L´Isle – Jourdain, den heutigen Etappenstartort zu. Weiter geht es dann über Lombez, bis sich die Strecke 7 km dahinter gabelt. Die Rennfahrer nehmen die Straße „rechts-geradeaus“, ich nehme dann die „links-geradeaus“ in Richtung L´Isle – en – Dodon.

Die Strecke ist unspektakulär flach und führt weit geradeaus, ist aber oft von herrlichen Platanenalleen gesäumt. Bei guter Sicht kann man hin und wieder bereits die Pyrenäen ahnen...

L´Isle – Jourdain und auch Lombez sind beides hübsche kleine Städtchen mit südlichem Flair, bislang hab ich hier aber leider immer nur mal zum Einkaufen irgendwo kurz angehalten, aber gerade die monumentale Kathedrale (gemessen an dem relativ kleinen Ort) von Lombez würde mal einen Besichtigungsstopp rechtfertigen. Aber es ist, wie es ist, fahre ich auf die Pyrenäen zu, dann locken schon hier die Berge und ziehen einen magisch an, auf dem Rückweg will man dann meist noch „Kilomter schaffen“.

Ich habe mich dann für längere Zeit von der Tourstrecke zu trennen, die ich zwar im weiteren Verlauf an mehren Stellen noch mal gekreuzt habe, aber das sind immer unspektakuläre Schnittpunkte, nicht der Rede wert.

Erst in La Barthe de Neste komme ich wieder auf mir bekanntes Terrain – an da Nest mit Bart, wie es die Komiker sicher übersetzen würden, habe ich aber dabei keine Erinnerungen. Vielleicht ja hat der Ort seiner verballhornten Namensübersetzung alle Ehre gemacht. Wahrscheinlicher aber ist, dass hier die Berge schon mächtig „gezogen“ haben...Das Tal der Aure jedenfalls bietet dann schon was fürs Auge...



Das wunderhübsche Städtchen Arreau ist der kulturelle Höhepunkt der heutigen Etappe.
Aber darüber habe ich in früheren Tour de Vins – Tagebüchern bereits alles gesagt wie auch zum Col d´Aspin, den ich auch bereits mehrfach mit dem Auto in beide Richtungen überquert habe (klick hier). Ich will die bereits erzählten Geschichten nicht erneut rauskramen und neue sind in den letzten Jahren hier auch nicht mehr hinzugekommen. Schön anzuschauen wird aber das Etappenende wieder allemal sein. Und auch zum selber mal wieder runter fahren wäre mehr als genug Sehnsucht da...



Und auch wenn die morgige Etappe sehr sehenswerte Landschaften bereithält, so habe ich auch hierzu zu den mir bekannten Abschnitten bereits alles gesagt und auch hier habe ich nichts Neues zu berichten. Daher ist am Samstag von meiner Seite her „Funkstille“. Verpasst die tollen Landschaftsbilder dennoch nicht – ich finde es immer wieder faszinierend, wie man es zur Tour de France schafft, all die dort recht frei lebenden Tiere für den Moment der Tour von der Straße zu verbannen. Normal liegen da meist irgendwelche Schafe auf dem Asphalt und gern auch noch größeres...Und die dürfen das, in der „Zone Pastorale“...

Torstens Reise- und Genusskommentar: Arpajon-sur-Cère / Montauban

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Die Gegenden der gestrigen Strecke habe ich zwar auch immer mal gestreift oder gekreuzt, aber ich war meist auf etwas anderen Routen unterwegs. Meine Tipps kommen somit auch wieder eher punktuell und vor allem am Ende der Etappe.

Begeistert haben mich die Felswände Roc d´Anglars bei St. Antonin Noble Val. Ich hätte hier 2014 auf dem Weg ins Priorat auch gern angehalten, denn auch der Ort soll recht sehenswert sein.
Nur ich war froh, wieder trockne Sachen anzuhaben und wollte keinesfalls aus dem Auto steigen.
Es hat nicht geregnet, es hat geschüttet...

Ich war zuvor ein Stück weit oberhalb in den Aveyron-Schhluchten gewesen und hatte den Klettersteig von Bar et Bor gemacht. Mitten im Klettersteig schlug urplötzlich das Wetter um, es begann zu gießen und ich konnte mich weder unterstellen, noch den Weg abbrechen. Zum Glück tobte sich das vorangehende Gewitter weit genug entfernt aus, aber der Platzregen erwischte mich vollends und ich konnte den Steig nur vorsichtig zu Ende klettern. Zurück am Auto half nur, mich komplett nackig zu machen, alle nassen Sachen in eine Tüte zu stopfen und vorher auszuwringen, mich dann auf ein schnell bereitgelegtes Handtuch im Auto zu setzen, mich mit einem weiteren Handtuch abzutrocken und mich dann anziehen, ohne das Auto wieder zu verlassen... Es hörte auch nicht wieder auf mit regnen, so dass letztlich nur die Flucht nach vorn in Richtung Spanien half. Erst auf der anderen Pyrenäenseite und auch da erst recht tief unten kam am Folgetag die Sonne wieder raus.

Der Nachbarort von Montricoux, wo gestern durchgeradelt wird, heißt Bruniquel und ist eines der Dörfer, die den Titel „Schönste Dörfer Frankreichs“ tragen dürfen. Zu Recht, wie wir auf der Firafahrt 2013 erfahren durften. Enge schmale Gassen mit alten Häusern, Befestigungreste und eine Burgruine, eine alte Kirche und jede Menge Museen und hier ansässige Künstler, dazu das südliche Flair, Sonne und viele sehr intensive Farben, was braucht es mehr, um den Frankreich-Fan glücklich zu machen? Klar – Katzen. Aber auch die haben wir gefunden...




Die in der Nähe liegenden Weinbaugebiete Cahors und Gaillac sind vielleicht bekannter aber auch auf der Etappe wurde am Ende durch ein Weinbaugebiet gefahren. Die Weine der Hänge um Montauban sind zwar nicht AOC qualifiziert sondern es handelt sich um Vins de Pays, was sie aber nicht daran hindert, hier und da doch gut zu sein.

Wenn man dann noch eine Unterkunft benötigt wie wir auf der Rückreise aus dem Priorat im März 2012, dann empfiehlt sich das Le Mas des Anges von Juan Kervyn ud seiner Frau. Sehr liebevoll hergerichtete Zimmer verwöhnen den Reisenden und es gibt nicht nur Chambre d´Hôtes sondern auch Table d´ Hôtes, sprich, man wird von den Gastgebern mit lokalen, zum Teil selbst hergestellten Produkten verpflegt. Wenn man nicht gerade aus dem Priorat zurückkehrt und dort qualitativ von den hochwertigen Weinen „versaut“ wurde, dann schmeckt auch der hier angebotene Rote, eine Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Tannat. Klar liegen da Welten dazwischen zu noch tags zuvor genossenen Prioratweinen und denen, die wir noch in den angebrochenen Flaschen bei uns haben, das erkennen auch die Gastgeber schnell nach einem Probeschluck, aber man darf das einfach nicht miteinander vergleichen, dann wird es auch nicht „freudlos“.





Dafür wird hier zum Frühstück auch weit intensiver aufgetafelt, als es oft in Frankreich üblich ist und die Gastgeber sind sehr gastfreundlich. Für einen Aufenthalt in dieser Gegend eine unbedingte Empfehlung.Die Domaine gehört schon zum Zielort Montauban, ist aber weit aus der eigentlichen Stadt heraus an der Straße nach Verlhac - Tescou zu finden.

Das für mich interessanteste Weingut der Coteaux et Terrasses de Montauban, wie es richtig und komplett heißt, ist die Domainede Montels im knapp 10 km entfernten Albias. Hier kann man eigentlich alles und je nach Jahrgang gelingen rot, weiß oder edelsüß am Besten. Auch hier darf man zwar keine Weltklasseweine erwarten, aber eine sehr ehrliche und vom PGV äußerst interessante und sehr vielseitige Palette an Weinen. Geöffnet ist jeden Tag außer Sonntag zu den in Frankreich üblichen Zeiten (Mittagspause von 12 bis 14 Uhr beachten) und die Betreiber freuen sich sehr über weitgereiste Besucher. Ich habe hier besonders gute Erinnerungen an einige edelsüße Weiße, von denen was in den Kofferraum wollte und wenn ich es so recht bedenke, sollte ich da bei der nächsten Möglichkeit auch mal wieder mit ranfahren...



Donnerstag, 7. Juli 2016

Torstens Reise- und Genusskommentar: Limoges / Le Lioran

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Für die gestrige Etappe musste ich ganz tief in der Erinnerungskiste kramen. Zurück in die guten 90er – in eine Zeit einige Jahre vor Internet und Digitalkamera. Damals wurden „wertvolle“ Dias geknipst, die Fotos pro Tag waren begrenzt und das Ganze hatte jede Menge Geld verschlungen für Filme, Entwicklung, Rahmen und Aufbewahrungskästen... – und heute kramt man die ollen Dinger ganz selten mal raus, weil alles doch so umständlich ist...

Ich war mehrfach im Cantal, aber nie so kompakt wie bei jener Tour mit dem Apricus-Verein, daher beschränke ich mich auch darauf. Die ganze restliche Strecke, die zuvor geradelt wird, habe ich weder erfahren noch nennenswert gekreuzt. Erst wenn die Tour in Salers angekommt, ist der Beginn meiner Geschichte – oder eigentlich eher dessen Ende, denn wir haben das pittoreske Städtchen erst auf unserem Rückweg besucht. Es war aber zugleich auch dessen kultureller Höhepunkt bzw. der Ausgleich nach einem Übermaß Natur...

In Salers gibt es wunderschöne kleine Gassen mit alten Bürger- und Adelshäusern zu entdecken, Besonders schön ist der Grand Place und die Rue de Templiers. Sehr sehenswert ist auch die romanische Kirche mit Aubusson- Wandteppichen und einer sehr plastischen Grablegung. Salers ist ein kleines Wohfühltädtchen, aber auch eine weitere Rinderrasse und auch einen gleichnamigen Käse gibt es. Letzterer gehört für mich zu den besten Käsespezialitäten des Zentralmassivs.

Wir waren damals zum Wandern in das Cantal – Gebirge gefahren – und allein das war eine phantastische Idee, denn das Cantal ist der vielleicht „gebirgigste“ Teil des Zentralmassivs. Während es sich beim Mont Dore um weitestgehend einen Vulkanberg dreht, ist das Cantal doch weit aufgefächerter und besitzt mehrere Berge, allerdings auch alle vulkanischen Ursprungs. Das ganze Auf und Ab im Cantal ist schon richtig etwas für die Augen, hat bisweilen fast schon Hochgebirgscharakter, denn man verläßt die Baumgrenze und bisweilen treten die Felsen zutage, mitunter gibt es selbst im Sommer klitzekleine Schneereste. Klar sind das nicht die Pyrenäen oder gar die Alpen, aber man hat schon Berggefühle – nicht wie an anderen Stellen des Zentralmassivs wo man auf 1200 m hoch ist und das Gefühl hat, in einer Ebene zu verweilen.

Wir haben unser Basislager damals im heutigen Zielort Le Lioran aufgeschlagen. Dort fanden wir eine Gite d´ Etape, wo wir am Anfang, am Ende und mittendrin in der Wandertour übernachten konnten und wo dann auch der Kleinbus die ganze Zeit über sicher stehen bleiben durfte. Dann wanderten wir zwei Schleifen, so etwas wie eine abstrakte 8...

Unsere ältesten Teilnehmer, beide damals weit über die 60 Jahre alt, hatten sich extra für diese Tour noch ein Zelt gekauft. Für eine ernsthafte Bergtour hier ist das ratsam, denn das Gebiet ist sehr weitläufig und einsam, so dass man irgendwo zwischendrin in freier Natur biwakieren muss, will man die Idealstrecken über die Gipfel gehen.

Wir wandern also um das heutige Streckenende herum, sind häufig noch deutlich höher als die Rennfahrer und inmitten traumhafer Natur, sieht man von ein paar „Sünden“ ab. Die erste Sünde ist das gewaltige Skiresort bei Le Lioran mit seinen Pisten und Skiliften, aber hat man dies nach dem Anstieg hinter sich gelassen, dann ist man in traumhafter Natur.


Natürlich besteigen wir den höchsten Berg des Gebirges, den Plomb du Cantal (1855m) als Ersten. Danach halten wir uns auf einem wunderbaren Grat mit phantastischen Aussichten lange zwischen 1700 und 1800 m bis es dann hinter dem Puy Brunet (1806 m) allmählich wieder nach unten geht.So richtig abgestiegen wird aber erst ab dem Puy Gros (1599 m). Unterhalb des Grates geht es dann zurück nach Le Lioran, hier haben wir auch Waldabschnitte und sind nicht mehr ganz so der Sonne ausgesetzt wie am ersten Tag. Wir blicken zugleich nach oben auf den Grat des ersten Tages und nach unten ins Tal der Cere, wo die Radler heute zum finalen Schlußanstieg aufbrechen.

Bei der zweiten Schleife laufen wir ihnen dann schon mal entgegen. Über den Puy de Peyre Arse (1806 m) geht es hinüber zum Puy Mary (1787 m). Am Puy Mary haben wir die zweite große Sünde an die Natur des Cantal. Vom Parkplatz am Pas de Peyrol (1582 m) gibt es eine breite häßliche Betontreppe hinauf zum Gipfel. Da wir von hinten kommen, sehen wir diese und ein Teil unserer Gruppe verzichtet auf die Besteigung des Puy Mary, um nicht über die Treppe absteigen zu müssen.
Sie halten sich am Hang auf Passhöhe und gehen direkt zum Pass, wo es die einzige Gaststätte weit und breit gibt, die wir natürlich für unser Mittagessen nutzen.

Der Salat wurde frisch im Garten hinter dem Haus gepflückt, unser ältester Teilnehmer findet eine kleine lebende Schnecke in seimem Salat. Ich nehme es mit Humor und frage den Kellner, ob in dieser Gegend Frankreichs die Schnecken lebend serviert werden. Er entschuldigt sich mit einem Gentiane-Schnaps, nicht für Helmut allein, sondern für jeden von uns...

Was Helmut sogleich auf die Idee brachte, wir sollten Schnecken sammeln und in künftig zu bestellende Salate setzen. Aber wir wollten – unverständlicherweise - da nicht mitmachen...

Obwohl der Gentiane schon zu empfehlen ist, den man ja auch den Alpen kennt. Aber auch hier wächst die Pflanze in rauen Mengen und wir haben uns auf unserer Wanderung über die vielen „geernteten„ Pflanzen gewundert. Nun wußten wir den Grund – daraus wird Likör und Schnaps gemacht.

Am Hang des Puy Chavaroche (1774 m) fanden wir einen traumhaften Biwakplatz mit gigantischem Ausblick und inmitten der Einsamkeit. Am folgenden Tag überquerten wir den Chavaroche, um dann lange und steil nach Rudez abzusteigen, einem kleinen Weiler an der Straße, auf der die Radler heute unterwegs sind.

Wir machen es aber nicht wie diese, die den Puy Griou (1785 m) auf einer Berstraße mit weiten Pässen umfahren – zu Fuß geht es natürlich über dieen letzten uns noch fehlenden wichtigen Cantal – Gipfel.

Aber so wir wir damals Gipfel gesammelt haben, wurden gestern erstmals auf der Tour nennenswert Pässe gesammelt. Und das Zuschauen lohnte schon wegen der traumhaften Landschaft.



Dienstag, 5. Juli 2016

Torstens Reise- und Genusskommentar: Saumur - Limoges

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Die ersten Renntage der Tour verliefen durch mir unbekanntes Nordfrankreich. Mit jedem Tag ab der Loire aber wird es in meinen Erinnerungen lebendiger.

Auch wenn ich bei meiner Tour an die Loire nicht so weit westwärts gekommen bin... Ich kenne mich erst ab Langeais stromaufwärts aus.
Aber der Wein, mit dem ich mich gestern auf die Tour einstimmte, stammt aus dem Anjou, allerdings aus Beaulieu, einem Ort südlich des gestrigen Zieles. .

Tiefschwarz, fast blickdicht – farblich vemutet man diesen Cabernet Franc deutlich südlicher. Die mehr als 10 Jahre Reifezeit hat er gebraucht, um das Tannin abzuchmelzen und runder zu werden, jung ist er eher ein ungestümer Geselle. Dunkelfruchtig, ausgewogen, aber ohne die Tiefe großer Weine und mit leider recht kleiner Nase – so setzt er jetzt auf unkomplizierten Trinkspaß und zeigt sich nur im Abgang ganz leicht trocknend. Da unter 10 € hat dieser sehr gute Wein ein hervorragendes Preis-Genuss-Verhältnis.



Auf diesen Wein bin ich bereits in den 90ern mal über einen Versandhändler gekommen – in der Zeit weit vor dem Internet, als es noch die Zeitschrift „Alles über Wein“ gab und Händler dort Anzeigen schalteten...

Der 2005er stammt von einem Direktkauf vom Winzer – allerdings von der Messe in Lille (oder doch Strasbourg – aber ich glaube, sie sind auf beiden Messen), wo ich die äußerst sympathische Familie Papin – Chevalier kennenlernte. Sehr zu empfehlen sind neben diesem Roten auch die edelsüßen Weißweine aus Chenin Blanc von dieser Domaine. Die Weine würden auch einen Besuch vor Ort rechtfertigen. Leider aber ist es doch schon weit weg und es gibt für meine Kletterbedürfnisse zu wenige Felsen dort,



Aber mit der heutigen Touretappe ändert sich auch das. Bei St. Savin, was heute durchfahren wird, überquert man die Gartempe, ein kleines, träge dahinfließendes Flüßchen, was sich zum Baden und Flußschwimmen weniger lohnt als die Loire – aber nach einem Klettertag ist es erfrischend.
Keine 15 km nörlich von St. Savin gibt es etwa bis zu 30 – 40 m hohe Ein- und Zweiseillängentouren in bestem Kalkstein, darunter auch viele einfachere Routen, aber auch Schweres für den Crack. Wegen der einfachen Routen auch zum Klettern mit einem Selbstsicherungsgerät geeignet, man geht einfach was Leichtes hoch, quert oben und seilt eine schwerere Route ab, um sie dann zu erklimmen. Aber zugegeben, mit Seilpartner macht es mehr Spaß. Ich hab beide Varianten durch, da ich inzwischen mehrfach dort war. Ein paar Infos findet derjenige, der des französischen mächtig ist, im Netz, ich hatte mir damals von jemandem einen Kletterführer ausgeborgt und eine Skizze abgemalt und mich daran später gut orientieren können.
Wenn man also nur mal auf dem Weg dort durchkommt, lohnt der Stopp, aber einen teuren Kletterführer muss man deswegen nicht kaufen.

Der Kulturinteressierte wird dagegen auch die recht riesige romanische Klosterkirche in Saint Savin nicht auslassen. Hier gibt es einen reichen figürlichen Schmuck sowohl als Steinmetzkunst als auch als Wandmalereien. Diese hatte ich vorher bereits einmal besichtigt, auf einer Urlaubtstour, die in die Pyrenäen führen sollte, aber auch einen Abstecher ins Bordelais enthielt. Diese Gegend wird auch von den Pilgern auf dem Jakobsweg durchstreift, ich kann mir aber schönere Wanderrouten vorstellen als das sonnendurchflutete wellig-flache Land mit seinen großen Feldern. Nur Wanderer gehen zum Vergnügen, Pilger wohl eher nicht bzw. nicht nur.

Die Tour de France kreuzt meine Strecken von damals und hält sich aber nun landeinwärts auf das Etappenziel Limoges zu. Sicher abe ich die heutige Strecke noch an ein oder zwei aneren Orten gequert, ohne aber Erinnerungen daran zu haben, zumal wir auch in den früheren 90ern, wo es die kostenfreie Autobahn von Vierzon nach Süden noch nicht gab, die Gegend mehrmals mit Kleinbussen durchfahren haben, um zu Jugendaustauschpartnern im Bordelais zu fahren bzw. sogar auf dem Weg nach Portugal bzw. Andalusien.

Und seit es die angesprochene Autobahn gibt, nutze ich die gern auch mal als Alternativroute in Richtung Priorat. Dadurch bin ich auch schon häufig durch den heutigen Zielort Limoges gekommen, allerdings bislang, ohne dort mal zu verweilen. Aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten sicher ein Fehler, aber man kann nicht alles machen und oft nutze ich lieber die kleinen und überschaubaren Ortschaften als Rastorte.

Hinweisen aber möchte ich noch auf die Limousin-Rinder in dieser Gegend. Prinzipiell artgerecht auf den saftigen Wiesen gehalten und nicht in Massenaufzuchtställen geben diese glücklichen Kühe mit den Puschelohren ein wunderbares Fleisch – für mich mit das beste Rindfleisch, was es geben kann. Viele Betriebe unterstreichen auch mit der Label Rouge Zertifizerung ihren hohen Anspruch an Qualität und artgerechte Tierhaltung. Etwas, was mir in Deutschland inzwischen wohl am Meisten fehlt – etwas vergleichbares wie diese Label Rouge Geschichte....



Die wenigen Weine der Region haben allerdings eher lokalen Charakter und sind eher teuer als gut, besser also, wenn man noch so was wie den oben empfohlenen Loire Cabernet – Franc zum Limousin – Rind dabei hat.



Mittwoch, 15. Juli 2015

4. Depesche: Lourdes und Tourmalet


Der Froome also, wie schon 2013. Er dominiert bisher mit seinen Himmelsfahrern. Sind Nibali, Contador, Quintana schon raus? Abwarten, die Tour läuft noch...

Heute am Tourmalet war die Sache klar, war aber auch keine Strecke für den Angriff, herrlich der dritte Platz für Emanuel Buchmann mit seinem 108-Kilometer-Ritt.

Der Col du Tourmalet - da bin ich mal hochgefahren, allerdings mit dem Auto. Auf einer Tour mit einem roten Kadett, ein tapferer kleiner Bochumer auf seiner letzten Fahrt. 1994 war das, eine große Schleife durch Andorra, Nordspanien und Südfrankreich.



Vorher ging es aber, so wie die Tour heute auch, durch Lourdes. Dieser marienverrückte Ort am Fuße der Pyrenäen ist die drittgrößte katholische Wallfahrtsstätte weltweit, sechs Millionen Menschen besuchen jährlich die Stadt. Infrastruktur und Dienstleistungsangebot sind vollständig an den stetigen Pilger- und Besucherzustrom angepaßt. Über der kleinen Höhle, in der im Jahr 1858 die kleine Bernadette Soubirous ihre Marienerscheinungen hatte, wurde eine riesige Kirche errichtet, drumherum der Site des Sanctuaires, der Heilige Bezirk. In der Innenstadt bieten mehrere Magasin Catholique unglaubliche Menge an Glaubensdevotionalien an.

Kern des ganzen Geschäftsmodells sind natürlich die sogenannten Wunderheilungen. Hier arbeiten Priester und Ärzte Hand in Hand. Auf dem Gelände gibt es ein eigens eingerichtetes medizinsches Büro, dem sämtliche Heilungen gemeldet werden. Ein internationales medizinische Komitee (C.M.I.L.) prüft dann nach Aktenlage zusammen mit dem Klerus. Es besteht aus etwa zwanzig Mitgliedern, alle "ausgezeichnet in ihren jeweiligen Fachrichtungen" Die Mitglieder des C.M.I.L. handeln ihrem Selbstverständnis nach dem Grundsatz: "Was nicht wissenschaftlich ist, ist nicht ethisch".
Bisher sind 69 als offizielle Wunderheilungen im Sinne der katholischen Kirche anerkannt worden. Dabei kann es sich von der ersten Meldung bis zur Wunderweihe hinziehen. Das 68. Wunder fand 1989 statt, wurde aber erst im Jahre 2013 anerkannt. Hier ist das in aller Ausführlichkeit dokumentiert (klick).
Es lohnt sich, dazu in Kurt Tucholskys Pyrenäentagebuch zu blättern, lesenswert bis heute sein bissig-kritischer Blick auf den Wahnsinn, der da bis heute stattfindet. Immer noch genauso aktuell wie 1927 (!).

Zitat: "Lourdes ist ein Anachronismus. Diese organisierten Pilgerzüge, diese elektrisch erleuchtete Kirche, die aussieht wie ein Vergnügungslokal auf dem Montmartre, der grauenhafte Schund, der da vorherrscht, nicht nur in den dummen Läden, sondern in den Kirchen selbst, diese unfromm bestellten Altäre, Schreine, Ornamente, Decken und Beleuchtungskörper."
"Sei es, dass sie Furcht haben, die heilige Quelle könne nicht so viel hergeben, sei es aus diesem seltsamen und verständlichen Glauben heraus, Wasser, über die so viele Gebete hingebraust sind, wirke stärker als frisches. Dieses Wasser wird nur zweimal am Tage gewechselt, nachmittags und abends. Hunderte baden also in demselben Bad und das Wasser ist fettig und bleigrau. Wunden, Eiter, Schorf, alles wird hineingetaucht. Nur wenn sich jemand vergisst, erneuern sie es sofort. Niemand schrickt zurück; vielleicht wissen sie es nicht."




Ich entschloss mich jedenfalls auf der Tour zum Kauf einer kleinen (Marien)flasche und füllte daraus etwas Wasser in den Kühler des kleinen Bochumers...




Danach hieß es nur noch Flucht aus Lourdes, hoch in die Berge. Es war schon später nachmittag, oben auf dem Tourmalet haben wir übernachtet, in einem kleinen Seitental auf über 1800 Höhenmetern kurz vor der Passhöhe. Es dämmerte schon und die Kälte kam, schnell wurde der Gaskocher für ein paar Nudeln angeworfen. Der Wein dazu ? Ich weiß es nicht mehr, wahrscheinlich allereinfachster Roter, möglicherweise sogar an einer Tankstelle gekauft.

Am nächsten Morgen dann ein unvergessliches Erlebnis. Über den scharfgezackten Pyrenäenkämmen zog die Sonne auf. In einem weißen Renault Kastenwagen erschien ein Schäfer mit Baskenmütze und stieß lauthals kehlige Schreie in Richtung der Felswände heraus. Glockengebimmel kündigte dann aus der Ferne die Ankunft seiner Herde an. Schafe rannten auf uns zu, tranken und leckten das auf Steinen ausgebreitete Salz.





Ein Wein zur heutigen Tour müßte was von den Füßen der Pyrenäen sein. Die AOCs sind ganz im Westen im Baskenland Irouléguy, dann Béarn und Jurancon südlich von Pau.

Letztere ist bekannt für ihre Weißweine. Da fällt relativ viel Niederschlag und es ist auch gar nicht so heiß, wie man vermuten würde. Das ergibt im trockenen Bereich frische Weine, die auch deutsche Rieslingtrinker ansprechen müßten. Außerdem gibt es natürlich noch die Edelsüßen aus dem Jurancon, durchaus eigenständig, in Frankreich aber auch beliebt als günstiger Sauternes-Ersatz. 





Montag, 13. Juli 2015

3. Depesche: Belgien


Dritte Etappe der Tour de France: Start in Antwerpen dann südlich von Flandern in die Wallonie. Nach der spektakulären Etappe nach Zeeland fahre ich da nochmal mit dem Auto voran. Antwerpen und den Etappenstart lasse ich links liegen und überhole das Team Française des Jeux auf der Autobahn.



Belgien, merkwürdiges Land, so klein, so zerissen. In Tienen kaufe ich noch schnell ein paar Spezereien, alle sprechen niederländisch. Ein paar Kilometer weiter, kurz hinter Hannut, wo ich mich sehr ländlich positioniere, um die Tour noch einmal an mir vorüberziehen zu lassen, ist alles wie in tiefster französicher Provinz. Sanfte Hügel, weite Felder, hoher Himmel.


Die Tour schauen heißt vor allem: Warten. Alles ist ein großes Blochsches "Noch-Nicht-Sein". Die Strecke ist schon für den allgemeinen Verkehr gesperrt, es beginnt für Liebhaber surrealer Szenerie ein abwechslungsreiches Spiel: Menschen, die auf Strasse starren.





Mal kommt ein Motorrad, mal ein hupender Kombi, irgenwann beginnt das Spektakel der Caravane Publicitaire, der Karnevalszug der Sponsoren.






Dann wieder Motorräder, Kombis, Sprinter, hupend, winkend, rasend, immer in eine Richtung.

Die Tour ist gar kein Rad- sondern ein Autorennen!

Doch es gibt Zeichen. Achte auf das Flappern der Helikopter, die großen Drohnen am Himmel filmen das Feld fürs TV. Dann der große rote Skoda Superb mit dem Directeur du Tour. Dann nochmal paar Motorräder, kurzer Moment der Stille, dann Rufe, dann das allererste Rad, die Spitze, die Ausreißer, das Feld...



Kurze Sekunden, das Zirpen der Speichen im Fahrtwind, das Laufen der Ketten Metall auf Metall.

Allez, allez...vorbei.

Man sollte es sich auf jeden Fall an der Straße gemütlich machen und auch gut mit regionalem Speis und Trank versorgt sein. Ein Seef-Bier aus Antwerpen, Paté von der Foie Gras und Käse verkürzten die Wartezeit.

Vive le Tour...!




Donnerstag, 9. Juli 2015

2. Depesche: Tour in Zeeland


Tourstart 2015 im stolzen Utrecht, dann die erste richtige Etappe ans Meer. Und der Weinradler kann sagen: Er ist dabei gewesen!

Zieleinlauf war die Insel Neeltje Jans, mitten im Deltawerk auf der Oosterscheldekering, dem spektakulären Sturmflutwehr. Das Topshuis, die betonbewehrte Steuerzentrale dieses Jahrhundertbauwerks war gelbgeschmückt, genau dort war die Ziellinie eingerichtet.



Doch erst einmal pragmatisch: Das Zelt richten, das Rad zusammensetzen, den ersten Riesling ins Glas bringen, was frisches von der Mosel: Wilhelm Schneiders 2012er Riesling von der Schiefermauer.



Ankommen am Meer, an der Zee, die schmale Linie wo Wasser und Himmel sich berühren. Ist was für empfindsame Seelen. Samstag am Strand von Schouwen-Duiveland. Der Tag davor. Der weite Himmel am frühen Abend - Hollandse Luchten.



Und jetzt die Überraschung: Es gibt Weinbau auf Schouven-Duiveland! Seit 2001 produziert das Weingut "De Kleine Schorre" in Dreischor. In Zusammenarbeit mit Cep d’Or aus Luxemburg auf 8 ha so allerhand. Auf dem, wie die Macher betonen, größten Weinberg der ganzen Niederlande sind mittlerweile 30.000 Rebstöcke mit Pinot Gris, Pinot Blanc, Rivaner and Auxerrois gesetzt worden.

Verkostet wurde der Rivaner - Auxerrois 2012 De kleine Schorre (11,5% / 9,90€) Zartduftige Frucht, knackiger Apfel, leicht, sehr frisch, lebendige Säure.
Weinbau hat in den Niederlanden im Süden, in Limburg und Brabant eine gewisse Tradition. Weingärten gibt es aber im ganzen Land verteilt, Tüftler, Hobbywinzer, weinverrückte Milch - und Gemüsebauern nutzen das landwirtschaftliche Kow-How, um Trauben anzupflanzen und selber zu vinifizieren (zusammenfassend diese website: "Wijngaarden in Nederland".) Zum Teil mit minderwertigen pilzresistenten Sorten auf ungeeigneten Flächen, mitten in den saftigen und gut gedüngten Äckern des Polderlandes. Bekanntestes Weingut und Qualitätsführer ist immer noch Apostelhoeve bei Maastricht.



Und dann eine reichgefüllte Vissoep, dazu ein Affligem Dubbel Abteibier aus Belgien, sehr fein.





Der Sonntag, Tag der Touretappe. Eine skurille Entdeckung an der Strecke: Ein Riesenstrohmann begrüßt die Tour mit einem Glas Rotwein. Gefühl einer Verbundenheit! Welche Freunde im Weingeiste haben hier ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und und mit viel Fleiß so etwas Schönes errichtet?


Doch noch ist Zeit, die Strecke ist noch nicht gesperrt, Gelegenheit für ein Erinnerungsbild unterm Teufelslappen


Dann Dramatik am Himmel, nach Tagen der Hitze zieht vom Meer ein Gewitter mit Starkregen auf.




Doch just als die Werbekarawane passiert, reißt es auf und die Sonne kehrt zurück. Und ich erfahre, daß es einen "offiziellen Tourwein" gibt: Cono Sur, ein Großabfüller aus Chile mit 1800 Ha Rebfläche.


Dann lieber mein Tourwein für diese Etappe, da ist zum Glück noch was in der Flasche, zusammen mit einer schönen Portion Kibbeling großer Genuß.


Schließlich das Peloton, das rasende Feld. André Greipel holt sich den Etappensieg. Morgen geht es weiter nach Belgien, zur nächsten Etappe (klick).