Montag, 16. Juli 2012

Etappe 15: Samatan - Pau 158.5 km


Merkwürdige Dramaturgie in diesem Jahr: Nachdem die Fahrer bei der gestrigen Etappe schon mal die Gebirgsluft in den Pyrenäen schnuppern konnten, müßen sie heute wieder quasi aufs platte Land, gefahren werden "nur" knapp 160 Kilometer im hügeligen Gebirgsvorland. Zudem ist dann am Dienstag Ruhetag in Pau. Genug Zeit also, um sich für die Königsetappe am Mittwoch zu erholen - und vielleicht doch Wiggins mal in Bedrängnis zu bringen.

Aber heute ist das noch kein Thema, stattdessen wird durch den ländlichen Südwesten gerollt. Und auch da wachsen, wie könnte es anders sein, Rebstöcke. Kurz hinter Marciac (bekannt für sein jährliches, international beachtetes Jazzfestival mit Auftritten sämtlicher Jazzgrößen von Dizzy Gillespie bis Diana Krall) wird das Madiran gestreift, eine kleine AOC mit nur 1.400 ha. Rebfläche. Die Roten dort werden hauptsächlich aus der Tannat erzeugt. Eine Rebe, die gerbstoffreiche, farbintensive und kräftige Weine mit Alterungspotential hervorbringt. Das sind in der Jugend häufig wilde Gesellen mit einer gewissen Adstringenz.
Alain Brumont ist dort Qualitätspionier, sein Chateau Montus mittlerweile ein Klassiker. Einen schön gereiften ´95er hab ich vor einiger Zeit verkostet (klick).



Einen weiteren Madiran gab es hier bei Tour des Vins, allerdings zur TdF 2010, 17. Etappe: Domaine Laffont "Erigone" 2007 Madiran Pierre Speyer, ein Belgier, bewirtschaftet nur 4 ha und ist einer dieser handwerklich arbeitenden Winzer, die mit großer Leidenschaft wirklich originelle, hochwertige und nicht einer überteuerten Spekulationsblase ausgelieferten Weine machen. Er ist ein Freund von Pierre Clavel, (Copa Santa), sie verbindet (mit anderen) das kleine, nur für Insider sichtbare winziggedruckte Label "Vinarchiste" auf dem Etikett. ERIGONE ist eine Cuvée mit einem Hauptanteil Tannat (80-90%) aus 45 Jahre alten Reben, der Rest Cabernet-Franc. Der Ausbau erfolgt 16 Monate in gebrauchten Barrique (Zweit- bis Drittbelegung). Farbe, natürlich dunkel, undurchdringlich. In der Nase vielschichtig, einerseits Rauch, Graphit - das geht aromatisch schon in Richtung Bordeaux. Andererseits aber auch die würzige warme Erdigkeit des Südens. Was den Wein jetzt schon in der Jugend trinkbar macht ist die dichte satte Frucht. Die macht auch die Gerbstoffe erträglich, die packen im Mund nämlich kräftig zu und "tapezieren" den Gaumen. Also weglegen und in 10 Jahren mal wieder probieren.






Sonntag, 15. Juli 2012

Torstens Genusskommentar: Limoux – Foix

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Wir sind plötzlich in den Pyrenäen, auch wenn es heute nicht all zu hoch hinauf ging und es morgen parallel zu den Bergen statt hindurch gehen wird.

In Limoux wurde gestartet und wenn es Freunde des edlen prickelnden Getränkes auch nicht gern hören – hier wurde quasi der Champagner „erfunden“. Die Erkenntnis der Flaschengärung wurde hier bereits Mitte des 16.Jh. angewendet um einen schäumenden Wein zu erzeugen, über 100 Jahre bevor dann Dom Perignon dieses Wissen in der Champagne erweiterte.

Heute noch finden wir die Schaumweine aus Limoux und für mich gehören sie nach wie vor zu den Interessantesten Frankreichs. Aber auch stille Weine der AOC Limoux habe ich öfter gern von dort mitgenommen. Leider bin ich den letzten Jahren hier immer zur Unzeit durchgefahren oder hatte keinen Platz mehr im Auto, um noch mehr Wein zu zu laden. Das Aude – Tal  (in diesem Jahr bis Quillan gefahren) gehört für mich wie das Ariege – Tal zu den beliebten Transitstrecken nach Spanien hinüber. Da hier jedes Jahr irgendwie mit lang gefahren wird, habe ich in früheren Jahren schon viel dazu geschrieben und möchte mich eigentlich ungern komplett wiederholen (klick).

Château de Puivert

Auch das Gebiet zwischen den beiden Tälern habe ich bereits auf meinen vielen Touren durch diese Gegend besucht – beherrscht wird die Gegend von zwei wichtigen Burgruinen aus der Katharerzeit – Puivert und Montsegur. Für die Besichtigung der Ruinen werden zwar ganz schöne Preise aufgerufen, aber wer sich für die Geschichte des Katharerglaubens und der Katharerverfolgung bzw. -ausrottung interessiert, der ist gut beraten, sich diese Zeitzeugnisse dennoch anzusehen. Bei der Geschichte geht es schließlich um einen von der katholischen Kirche inszenierten kompletten Völkermord. Auch wenn die heutige katholische Kirche das düstere Kapitel immer noch verdrängt und ihre immense Schuld nicht aufgearbeitet hat, so bekommt man heute immer detailliertere Schilderungen zu diesem Thema – auch in deutscher Sprache. Völlig aufwühlend für mich war beispielsweise das Lesen des Folterhandbuches, welches der katholische Mönch Bernard Gui verfasst hat, und welches quasi das Lehrbuch für die Inquisition schlechthin war. 
Mir fällt dabei immer auch der menschenverachtende Aufruf ein, der Auslöser des Gemetzels vom Bezièrs war. Als vom katholischen Inquisitor zur Erstürmung der Stadt aufgerufen wurde, fragte der militärische Oberbefehlshaber den kirchlichen Auftraggeber: “Wie sollen wir erkennen, wer Ketzer ist und wer nicht?“ und  er bekam zur Antwort: „Tötet sie alle – Gott wird die Seinen finden....“

So schön und so friedlich sich heute diese Gegend präsentiert, vergessen wir dennoch nicht, dass es blutgetränkte Erde ist, wo Tausende friedlicher Menschen sterben mussten, nur weil sie im Sinne der macht habenden katholischen Kirche Andersdenkende waren und als Ketzer gebrandmarkt wurden.

Ein Unding aber ist es auch, wenn es sich wirklich herausstellen sollte, dass die vielen heutigen Defekte an und hinter der letzten Bergwertung auf einen Reißzweckenanschlag zurück zu führen sein sollten. 
Die Reaktion eines Wiggins im Gelben Trikot, den mehrfach vom Defekt betroffenen Evans wieder heran kommen zu lassen und zum Warten aufzurufen, war jedenfalls für mich eine Fairness – Geste, die von menschlicher Größe zeugte und die fast schon zu Tränen rührte.



Etappe 14: Limoux - Foix 191 km


Gestern eine sehr schöne Überführung von der Rhone bis an die Mittelmeerküste, durch das sonnen - und weingesättigte Midi. Im Nudistenparadies Le Cap d’Agde dann der dritte Etappensieg für André Greipel, irre knapp. Heute läutet die Glocke zur dritten und damit letzen Tourwoche, der bewährten Dramaturgie folgend mit den Hochgebirgsetappen Teil 2. Diesmal also die Pyrenäen, und da hat es bei der diesjährigen Konstellation durchaus noch eine gewisse Spannung, was das Gelbe angeht. Ist Wiggins wirklich unantastbar ? Ich trau dem Engländer mit den Koteletten durchaus noch einen Einbruch zu. Der Mittwoch ist da der Tag der Tage mit 2 HC Anstiegen...Heute geht es da etwas gemählicher zu, trotz einiger Himmelspassagen.
Die Weingärten zu Füßen der Pyrenäen liegen eher etwas Richtung Mittelmeer, da wo sich immer noch die Reste der einstmals wehrhaft-stolzen Katharerburgen erheben. (mehr dazu hier/klick).

Wächst aus dem Fels: Katharerburg Peyrepertuse 

Unter dem Dach der AOC Roussillon werkeln dort Genossenschaften, aber auch eine Riege von sehr individuell-handwerklich arbeitenden Weintüftlern. Ein Qualitätspionier und immer noch Schrittmacher für die Weine des Roussillon ist Gérard Gauby in Calce. 
Aber für einen schönen Begleiter zur Tour muß man gar nicht bis dahin ausweichen. Die Etappe starte ja in Limoux, und da gibt es so einiges. Die AOC Limoux ist vor allem bekannt für hervorragende trockene aber auch süße Schaumweine gibt, es gibt auch trockene Weißweine aus Chardonnay und Mauzac.

Ideallandschft in der AOC Limoux: Hügel, Dörfer,Wein
Vorreiter ist hier die Cave de Sieur d´ Arques, eine der besten Genossenschaften Frankreichs mit hohem Qualitätsstandard.
Da wurde schon lange vor dem Siegeszug des Champagners der Blanquette de Limoux erzeugt, der "älteste Schaumwein der Welt (klick). Die Legende schreibt auch hier einem Mönch (des Benediktinerklosters Saint Hilaire) seine Entdeckung zu. Das aber schon im Jahr 1531, über 100 Jahre vor Dom Pérignon in der Champagne.
Bei der immer noch verwendeten Méthode Ancestrale findet ausschließlich eine einzige Spontangärung des Grundweins statt. Der Most wird erst auf eine Temperatur von etwa 10 °C heruntergekühlt. Die alkoholische Gärung startet dadurch nicht sofort, sondern fünfzehn bis zwanzig Tage später und zieht sich über mehrere Wochen hin. Der Most wird aber nur soweit vergoren, dass er noch genügend Restzucker für die Gewinnung der Perlage enthält und dann ohne weiteren Zusatz von Zucker und Hefe in Flaschen gefüllt, in denen es dann munter weitergärt. Hierdurch entstehen ganz natürliche Schaumweine, mit weniger als 7 ° Alkohol sowie feiner Restsüße.



Antech Limoux "Méthode Ancestrale" Doux et Fruité (6,5% / 10€) Zurückhaltende Perlage, zarte Kohlensäure, fruchtsüß wirkende Nase, frische Blüten, saftig-reifer Apfel, sehr anmachend. Erinnert an einen guten Moscato d'Asti. Im Mund zart, frisch, leicht. Die Süße gleicht eher leicht aufgestreutem Puderzucker auf frischem Obst. Wunderbare Erfrischung...


Samstag, 14. Juli 2012

Torstens Genusskommentar: St. Paul Trois Châteaux – Cap d´ Agde

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Wir starten heute nochmals auf der anderen Seite der Rhône, allerdings deutlich südlicher als wir die Rhône am gestrigen Tag gequert hatten. In den Startort der heutigen Tour Saint Paul Trois Châteaux bin ich einmal hineingefahren, als ich im Rhône-Tal unterwegs war, und habe mir den Ort und vor allem die schöne alte provenzalische Kathedrale angeschaut.

Manches Mal, wenn ich ins Languedoc unterwegs war, hab ich gern die Strecke durch das Rhône – Tal genommen, um mir das eine oder andere dort an zu schauen. Das schnelle Durchfahren auf der A7 dagegen ist dort nicht so mein Ding. Dazu bietet die Gegend zu viel Interessantes.



Gleich am Anfang fahren wir an einem der wohl berühmtesten Atomkraftwerke Frankreichs vorbei – dem von Pierrelatte – Tricastin. Dass nebenan gleich ein Krokodilpark ist, ist ein Scherz, der auch auf seine Art irgendwie makaber ist. Hoffen wir mal, dass hier nie ein Science Fiction wahr wird...

Ein deutlich reizvolleres Ziel in meinen Augen ist dann das alte ehrwürdige Pont St. Esprit, das für mich immer wieder gern einen Halt wert ist, nicht nur der schönen alten Brücke über die Rhône wegen. Aber auch die sollte man wenigstens einmal überquert haben – ich hab es mehrfach getan, sowohl per Auto als auch bereits mit dem Rad. Der Ort selbst hat provenzalisches Flair, obwohl er eigentlich auf der falschen Seite liegt. Diesem Charme ist man schnell erlegen, vor allem wenn grade Markt ist.



Auch Bagnols sur Ceze muss einen Aufenthalt lohnen, ich kenne den Ort bislang leider nur vom Durchfahren, wie schon gesagt, es gibt dort so vieles, was lohnt.

Das lange folgende Stück ab Les Matelettes vor Viols – le Fort bis hier bin ich erstmals gefahren, als wir im Anfang März 1991 (oder war es Ende Februar ? – auf jeden Fall war es schönste Frühlingszeit dort unten mit Baumblüte) vom ersten Jugendaustausch mit dem CEMEA von Aniane nach Deutschland zurückfuhren, damals noch im gemieteten Kleinbus. Damals hatten wir auch in Uzés noch einen Halt eingelegt, um uns das herrliche alte Herzogsstädtchen beim schnellen Bummel durch das Zentrum anzusehen. Natürlich bin ich dort nicht zum letzten Mal gewesen und auch die Strecke ab Quissac kenne ich dann quasi wie meine Westentasche (falls ich eine hätte). Ab hier habe ich auch in fast jedem Dorf schon einen Stopp gemacht, in Quissac, St. Martin des Londres und Viols le Fort  wegen der alten Ortsbilder und der alten Kirchen, in den Gemeinden rings um den Pic Saint Loup natürlich wegen der dort ansässigen Winzer – grade Valflaunes bietet eine erquickliche Zahl richtig guter Erzeuger (wobei die Besten alle außerhalb des Dorfes verteilt leben). Bei Mas Bruguiere und der Domainede l´ Hortus geht die Tour direkt vorbei, vielleicht ist das im Kanandischen Holzhausstil erbaute Anwesen von Hortus gar bei der Übertragung zu sehen...

Früher in den 90ern haben mir die Weine vom Mas Bruguiere mehr gefallen, inzwischen ziehe ich l´ Hortus im direkten Vergleich vor. Ich habe Weine vom Pic ja bereits zu einer Zeit gern getrunken, wo sie hierzulande noch fast unbekannt waren – geschuldet den alljährlichen Fahrten nach Aniane. 
Meine Top drei am Pic heute heißen Mortiès, Mas de Fournel und Clos Marie, wobei Clos Marie lange Jahre meine Nummer eins war, in den letzten Jahren aber nicht immer so überzeugt hat wie die anderen beiden. 
Von Mas de Fournel und von Mortiès biete ich sogar selbst noch einige Reste in meiner Prioratführerselektion an, allerdings als Auslaufmodell – nicht, weil ich die Weine nicht mehr mag, sondern weil ich gemerkt habe, dass Weine vom Pic Saint Loup nicht so ins Profil passen, wenn man sich auf das Priorat und Montsant spezialisiert hat. Nach meinen Weinen von unterwegs wurde einfach zu wenig gefragt, als dass ich dieses Experiment fortführen könnte. Grad eine Selektion vom Pic Saint Loup hätte mich persönlich sehr gereizt, da ich sehr viele der Erzeuger seit langem persönlich gut kenne – aber der Markt ist dafür nicht da.



Genau so reizen die langen Kletterwege am Pic Saint Loup selbst. Erfolgreich gemacht habe ich bislang nur die Gratwanderung mit leichten Klettereinlagen, in der großen Wand musste ich vor einigen Jahren abbrechen – ich war allein unterwegs und entsprechend ungesichert und der Wegverlauf war für mich nicht eindeutig – das Gelände wurde so schwer, dass ich ohne Sicherungspartner nicht weiter wollte. Dennoch hing ich einige Zeit gut sichtbar in der Wand, vom Parkplatz auf dem Pass kann man die Situation gut einsehen und abschätzen, wie viel Zeit einem als böser Bube bleibt. Die Quittung bekam ich nach meiner Rückkehr zum Auto – die kleine Scheibe mit einem Stein eingeworfen, Radio, Rucksack mit Trangia und mehr geklaut, auch von dem zuvor noch gekauften Wein war weg soviel die Diebe weg bekamen. Mein Hauptgepäck war glücklicherweise bei meinen Freunden in Aniane, das Portemonnaie hatte ich in der Innentasche meiner Jacke – im Februar war die Jacke durchaus angebracht. Glück im Unglück, aber schlimm genug, den Wunsch nach erneutem Kletterausflug an den Pic von der Liste zu streichen und auch meine Lust, generell in diese Gegend zu fahren, ließ danach etwas nach, wenngleich auch nur unbewusst. Aber ich bin tatsächlich seitdem weniger in diese Gegend gefahren als früher, wo zwei oder drei Mal im Jahr mir immer noch nicht genug waren.

Es wird dann leider nicht weiter auf Aniane zu gefahren, sondern beim Schlößchen Les Matellettes wird in Richtung Montpellier abgebogen. Die Strecke bis Montarnaud kenne ich natürlich trotzdem von den Radtouren damals zu Austauschzeiten und auch späteren Autoausflügen. Wunderschöne Garrigue und Wälder.

Während ich das Stück zwischen den Autobahnen nicht kenne, bin ich dann am Ende der Etappe wieder dabei. An den Etangs und am Mittelmeer zwischen Montpellier und Agde bin ich natürlich auch viele Male gewesen, auch die Muscats von Mireval und Frontignan kann ich immer mal gern trinken – es muss ja nicht jede Woche sein.

Zum Abschluss möchte ich mich nur noch an meinen Aufenthalt in Séte erinnern – es war im Januar 1991, da trafen sich die Partnerverbände des Deutsch-Französischen Jugendwerkes dort zur pädagogischen Jahrestagung – ausgerechnet über meinen Geburtstag. Als der sich herum sprach, wurde natürlich sofort ein Fest improvisiert – meinen ersten Flaschen Champagner bekam ich da ebenso wie einen Bildband über Séte, in dem alle unterschrieben. Und dazu die „Auflage“:„Bis nächstes Jahr zur Jahrestagung hast du französisch gelernt...“

Freitag, 13. Juli 2012

Etappe 13: Saint-Paul-Trois-Châteaux - Le Cap d’Agde 217 km


Die heutige Etappe ist wahrlich eine Strecke durch den Wein. Es beginnt in Saint-Paul-Trois- Chateaux, ein schöner alter (Wein)ort an der Rhone - übrigens auch ein Zentrum des provencalischen Trüffelhandels.
Wenn nur nicht direkt gegenüber auf der anderen Flußseite der Atomkomplex Tricastin liegen würde. Da gibt es schon mal Störfälle, erst im Juli 2008 kam es zu einer Uran - Kontamination des Bodens. Die Weine von dort, AOC Tricastin, litten deswegen lange an einem Imageproblem ("l'arôme à l'atome") . Deshalb wurde die AOC im Jahr 2010 umbenannt, die Weine der Region firmieren jetzt unter der Bezeichnung Grignan-les Adhémar.

"l'arôme à l'atome"

Es geht dann über die Rhone in Richtung Uzes ins Departement Gard, das ist schon Languedoc, die Weine dort werden aber noch der Rhone zugerechnet. Kurz bevor das Feld direkt nach Süden Richtung Mittelmeer abdreht, wird es für Weinfreunde nochmal spannend. Zwischen Valflaunès und Saint-Martin-de-Londres geht es direkt am Pic Saint Loup vorbei - Wein ohne Ende.
Und jede Menge Erzeuger, die Hochwertiges auf Flaschen füllen: Sonnensatte Weine mit viel Frucht und würzigem Schmelz. Die gern verwendete Syrah erreicht dort wirkliche Klasse, besonders aus den Hügellagen, da wo sich nördlich des Mittelmeerbogens schon die Cevennen erheben. Gute Namen sind hier u.a. Chateau de Cazeneuve, Chateau l' Euziere, Chateau  Puech-Haut, Domaine de l' Hortus, Domaine de Morties, Domaine Clavel...

Berg und viel Wein:
Pic Saint Loup

Die Trauben für meinen Etappenwein (wurde gestern vorverkostet) wachsen nur wenige Kilometer weiter südwestlich bei Aniane, die Weingärten dieses für die Qualitätsentwicklung des Languedoc wichtigen Betriebs werden quasi gestreift...

Altmeister aus dem Midi

Mas de Daumas Gassac 1995 Aniane / Languedoc (12,9% / 30€) Wer über die A9 von Avignon bis zur spanischen Grenze fährt sieht unendliche Rebflächen. Hier werden bedeutende Mengen des europäischen Weinsees produziert, Massenerzeugung total.
Seit den 80er Jahren ist dies aber auch eine Boomregion für Qualitätswinzer. Trendsetzer war hier Aimé Guibert mit seinem Daumas Gassac in Aniane. 1978 war der erste Jahrgang, der auf Mas de Daumas Gassac produziert wurde, unter Beratung des damaligen "Star-Oenologen" Emile Peynaud aus Bordeaux, einer Art Vorgänger von Michel Rolland. Anfang der 80er begann die Weinszene auf Daumas Gassac aufmerksam zu werden. Gutes Marketing kam dazu, zudem der Nimbus des Newcomers aus einer Underdog-Region. Der Gault Millau titulierte den Gassac gar als „Lafite des Südens". Wie auch immer, alles was aus dem Languedoc danach kam und kommt, steht durchaus auf den Schultern von Aimé  Guibert.
Der ist übrigens bis heute ein kantig-knorriger Streiter für den Wein als regional verankertes Naturprodukt. Im Jahr 2000 erlangte Aniane Bekanntheit, als die Mondavis hier ein Weingut etablieren wollten. In der Bevölkerung formierte sich Widerstand, die Kalifornier zogen sich zurück. Anzuschauen ist das in Jonathan Nossiter herrlicher Dokumentation Mondovino. Gleich am Anfang gibt es da ein Interview mit einem grantelndem Aimé Guibert: "Le vin est mort..." Der Trailer bei you-tube hier (klick).
Ein Großteil (80%) der Weinberge ist mit alten, ungeclonten Cabernets bepflanzt - diese inzwischen schon 40 Jahre alten Reben erzeugen auf natürliche Weise nicht mehr als 35hl/ha. Daneben gibt es Parzellen mit Malbec, Merlot, Cabernet Franc, Syrah und vielen weiteren Rebsorten. Das Mikroklima ist kühl inmitten des heißen Languedoc, angestrebt wird nicht der opulent-fruchtige Stil, man setzt eher auf Feinheit und Komplexität. Die Weine gelten als sehr gut lagerfähig.
Gute Voraussetzungen also für den 17 Jahre alten Kameraden. Der Kork war im unteren Teil suppig und brach beim Ziehen, es mußte also etwas gefiltert und dekantiert werden. Die Lüftung tat dem Wein gut, schöne rauchige Nase, entwickelt, aber noch voller Kraft. Dunkel, eingelegte Früchte - dabei nicht aufdringlich, bewahrt Anstand und hat Manieren. Gut mundfüllend, kein dicker Klopfer, fein mit mürbe gewordenen Gerbstoffen - schöner, die Sinne anregender und beruhigender Genuß.



Bis zum Mittelmeer geht es abwechselnd durch Weinfelder und die für das Midi so typischen Dörfer. Die nächste Weinadresse ist dann Frontignan, schon direkt am Wasser gelegen. Trotz eines großen Tanklagers ein sehr schönes Städtchen mit altem Ortskern, Weinfreunden bekannt für seinen Muscat de Frontignan.
Von da sind es nur noch ein paar Kilometer am Meer entlang bis Sète: Großartige Stadt, praktisch von allen Seiten von Wasser umgeben, gekrönt vom Hügel Mont St. Clair. Die Geburts- und Heimatstadt von Georges Brassens, dem großen Poeten und Sänger. Der hatte sich ja in einem Chanson gewünscht, am Strand von Sète begraben zu werden ("Supplique pour être enterré à la plage de Sète").

Stadt am Meer: Sète mit Mont St. Clair

Bis zum Ziel in Cap d´ Agde geht es dann 16 Kilometer geradeaus, immer am Wasser entlang. Wäre ich morgen da mit dem Rad unterwegs, würde ich schwach werden und mich in die Fluten des Mittelmeeres stürzen. Und danach einen erfrischenden weißen Vin de Sable trinken. Die "Sandweine" wachsen direkt auf der schmalen Landzunge zwischen Meer und dem Bassin de Thau, auf der morgen gefahren wird.

Da wird morgen gefahren:
Strand zwischen Sète und Agde mit Vin de Sable

Cap d´ Agde ist nicht so sehr bekannt für Wein, sondern als Nudistenparadies. Die (Retorten)kleinstadt für urlaubernde Nacktfreunde aus ganz Europa ist auch ein beliebtes Ziel für Swinger, komplett mit Fetisch-Boutiquen, Clubs und Sex on the beach am Plage des Cochons...

Etappe 12: Saint-Jean-de-Maurienne - Annonay Davézieux 226 km


Die längste Etappe der Tour in diesem Jahr - 226 Kilometer. Gefahren wird von den alpinen Höhen Savoyens bis in die nördliche Ardèche. Nach den beiden Pässen geht es da in Richtung Rhonetal auch viel bergab. Wiggins  behält erstmal Gelb, die Engländer sind stark. Froom hätte gestern noch was rausholen können, durfte er aber nicht. Man muß abwarten, ob für Evans und Nibali in den Pyrenäen noch was geht...

Wein ist bei der Strecke heute durchaus ein Thema. Zwischen dem Grand Cucheron und dem Granier wird das Tal der Isère durchfahren, auch da stehen Reben. Der Weinbau in Savoyen reicht vom Südufer des Genfer Sees im Norden bis südlich nach Chambéry. Die Berge sorgen für ein unsicheres Klima, die Sommer sind in der Regel warm. Charakteristische Rebsorten sind Mondeuse, Gamay und Pinot (rot) sowie im weißen Bereich Jacquére, Molette, Gringet, Roussette, Chasselas und Chardonnay.
Verkostet wurde im vorletzten Jahr ein Weißer aus der authochthonen Rebsorte Jacquère, die in Savoyen das Rückgrat der Weißweinproduktion liefert: Apremont "Gastronomique" Vin de Savoie 2009 von Jean Perrier et Fils. Nur 11.5 Vol.% , herzhaft frische Säure, ein lebendiger Wein mit zarten Noten von noch knackigem Pfirsich, frisch und leicht.




Zum Ende hin sind dann wieder Reben in Sicht, bei Saint-Albert-D ´- Albon wird der nördliche Rhonebereich erreicht. Die berühmte Côte-Rôtie liegt nordlich davon, Crozes - Hermitage südlich. Die Rhone selbst wird gequert in Andance das gehört zum Untergebiet Saint-Joseph. Hier mischt sich schon das kontinentale Klima mit mediterranen Einflüssen. Dies ist Rotweinland, die Syrah dominiert. Anders als im Süden gibt das aber hier festfleischige Weine mit kerniger Frucht, die Flaschenreifezeit benötigen.

Hier gehts heute über die Rhone:  Pont d'Andance




Torstens Genusskommentar: Saint-Jean-de-Maurienne - Annonay Davézieux

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen


Auch heute gibt es wieder einige Erinnerungen an den letztjährigen Urlaub.- im Prinzip können wir an das Ende des gestrigen Tages anknüpfen, denn St. Jean de Maurienne ist ja heute Startort.
Als wir im letzten Jahr hier unten eintrafen, war der Teufel los - Schlechtwetter zog ganz urplötzlich auf und auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt flogen unserem Auto diverse Mülltonnen um die Räder... Dabei hatte es kurz zuvor oben auf dem Berg alles noch okay ausgesehen. 
Am Abend auch beim Kochen das Wetter - Desaster, wer auf meinem Blog gelesen hat, der hat die Geschichte schon serviert bekommen...

In Pontamafrey – Montpascal (noch vor dem scharfen Start heute) haben wir unser Zelt auf dem Platz aufgeschlagen, der zugleich der Ausgangspunkt für zwei spektakuläre Klettersteige ist, die zu den absoluten Höhepunkten der letztjährigen Tour zählten. Auch hier habt ihr die vielen Bilder schon gesehen, die man übrigens alle durch zwei mal auf das Bild klicken noch entsprechend vergrößern kann, dann sieht man oft noch den spektakulären Wegverlauf.

Le Bastion ist dabei der schwere Teil des Steiges – und diesen haben wir auch zuerst gemacht – unterwegs aussteigen geht nicht und das TD für Tres Difficile ist auch gerechtfertigt, 477 Höhenmeter auf 600 m Länge, dabei mehrere längere Überhangabschnitte, nichts für zartbesaitete Gemüter, denn da gibt es jede Menge „Gaz“ und auch die Unterarme werden entsprechend strapaziert.

Blick ins Arc – Tal: Da unten ist heute der Start


Reben mit Kapelle


Oben gibt es dafür einen herrlichen Blick ins Tal und sogar Reben. Leider waren die Trauben hier noch nicht reif genug für eine Kostprobe. Der zweite Steig Le Passerelle erschien mir nach dem Bezwingen der Bastion fast wie ein Kinderspiel. Den Zugang erreichten wir über die Straße, die man von der Bastion aus gut sieht, das wäre auch mal eine schöne Kletterpartie für die Radler... 
Aber die fahren erst mal gemütlich unten im Arc – Tal lang. Bis wir dann zum Madeleine abgebogen sind, haben wir das nach dem Durchsteigen der Via – Ferratas dann auch gemacht und das Stück danach sind wir ja  gegenläufig gefahren, als wir in die Alpen reinkamen – wobei wir im Tal die schnelle Hauptstrasse genommen haben und nicht die Nebenstrecke durch die kleinen Dörfer.

Die kleine Bergstrasse, die heute zur ersten Bergwertung führt, kenne ich nicht, wir sind letztes Jahr außen rum gefahren, aber dann auf dem Weg zum Col de Granier bin ich wieder mit dabei. Unten in Chapareillan klinken wir uns wieder in die Strecke ein. Wir sind das, was heute hoch gefahren werden muss, letztes Jahr mit dem Auto runter – eine respektvolle Strecke, immer schön eng, steil und kurvenreich geht es hoch zum Granier im Massiv der Chartreuse.

1994 übrigens sind wir den Granier auch mit Rädern und vollem Campinggepäck hoch, wir sind allerdings von Chambery aus über die nördliche Zufahrt die D912 hoch gekommen, die Strecke ist etwas länger, aber dafür weniger steil, aber es hat ausgereicht. Wir waren damals zu siebent, drei junge Frauen und vier Männer – Berge wie diesen haben wir natürlich auch „ausgefahren“, was mit mehr als 20 kg Gepäck noch mal was anderes ist... - den Granier konnte ich übrigens knapp für mich verbuchen. Oben auf den zur Bergwertung angekündigten Pässen wurde allerdings immer wieder gewartet, bis auch der letzte wieder fit für den nächsten Abschnitt war.

Auf bekannter Strecke geht es nun bergab nach St. Pierre d´ Entremont. 1994 sind wir hier erst mal einen Abstecher in eine Sackgassenstrasse zum Felskessel Cirque de St. Même gefahren und dann weiter südlich zum Kloster der Grande Chartreuse (wo wir natürlich auch den Grünen verkosteten und ein Fläschchen mitnahmen).

"Elixier des langen Lebens":Chartreuse Vert hat schon 55%  

Letztes Jahr haben wir hier in St. Pierre den ersten wirklich anspruchsvollen Klettersteig unseres Urlaubs gemacht, nach zwei „kleineren“ Steigen im Jura und am Lac de Bourget. Der Steig von St. Pierre d´ Entremont, besonders im zweiten, deutlich schwereren Abschnitt ist schon eher etwas für Fortgeschrittene, auch der lange An- und noch längere Abmarschweg haben es in sich. Ich fühlte mich wie gar gekocht, aber zugleich richtig glücklich (man merkt die Endorphine dann schon...), als ich nach bestandenem Klettersteigabenteuer wieder am Parkplatz war. Mein Begleiter, der Holzwurm Steffen, der immer mal auf den Fotos zu sehen ist, war bei der Kneifervariante ausgestiegen, hatte aber wenigstens schon einen Platz ausgemacht, wo wir zelten konnten. 

Im Steig von St. Pierre d´ Entremont


Blick vom Klettersteig ins Chartreuse – Massiv

Die Straße nach St. Christophe de Guiers war letztes Jahr noch gesperrt, wir mussten von St. Laurent du Pont aus ins Gebirge hoch fahren. Die regelrecht in den Fels eingefräste Straße konnte ich aber gut vom Klettersteig aus beobachten. In St. Laurent du Pont hatten wir letztes Jahr eine Zwangspause am Platz vor der Kirche, denn die Läden hatten alle Mittagspause und wir wußten, oben ist es schwierig mit dem Einkaufen.

Blick zu Straße, die die Fahrer heute die Schlucht runterjagen – ne tombe pas! 

1994 sind wir im Übrigen gleich noch mal über den Col de la Charmette wieder nach oben, eine abenteuerliche Bergtraße, die für die Tour wohl nicht infrage kommt, da fü den motorisierten Verkehr gesperrt.

Die Touretappe geht weiter nach Voiron – hier war ich auf meiner Tour im November 1997 mit dem Rad erstmals gewesen – damals hatte ich einen Sportfreund besucht, der hier ein Auslandspraktikum machte. Damals schaute ich mir auch das Museum an, welches sich in der Likörfabrik befindet – für mich ist der grüne Chartreuse der beste Kräuterlikör, den ich kenne. Nur drei Mönche kennen und hüten das Geheimnis, stirbt einer, bestimmen die anderen beiden den Nachfolger – klar, dass man weder auf ausgestellten Bildern, noch im Film, noch bei der Diashow irgendein Gesicht zu sehen bekommt...

Auf meinem Weg 1997 nach Voiron bin ich allerdings zur heutigen Strecke parallel gefahren – etwas weiter nördlich über La Côte St. Andre.

So bleibt mir nur zu erwähnen, dass wir 1994 – auf der mehrfach erwähnten Radtour nachdem wir  auch das Vercors überquert haben und beim Palais Ideal in Hauterive Zwischenstopp gemacht haben, dann auch bei Andance die Rhône überquert haben – wir sind dann allerdings auf direktem Wege nach Annonay hoch gefahren und weiter ins Pilat-Massiv.



Donnerstag, 12. Juli 2012

Etappe 11: Albertville - La Toussuire-Les Sybelles 148 km


Zweimal HC heute, plus eine kräftige Bergankunft - wer dem Speedy-Wiggins vor den Pyrenäen das gelbe Trikot noch ausziehen will, muß sich da auf der Achterbahn durch die französischen Alpen zeigen. Ich glaubs ja nicht, trotzdem ist eine wunderbare Etappe in traumhafter Alpenkulisse garantiert. Insgesamt 4500 Höhenmeter sind von den Fahrern zu bewältigen...

Opinel-Skulptur am Kreisverkehr in Saint Jean de Maurienne:
Hier wird heute vorbeigefahren

In dieser Gegend bin ich vor zwei Jahren auch unterwegs gewesen, allerdings mit dem Auto. Gequert wurde seinerzeit der Col du Galibier, ein Gigant, 2645 Meter hoch und schon häufig das Dach der Tour de France. Der wird heute ausgelassen. Vor dem finalen Anstieg hoch ins Skigebiet von La Toussuire, geht es im Tal der Arc durch Saint-Jean-de-Maurienne, dem Geburtsort des Opinel Messers. 1890 konstruierte der achtzehnjährige Joseph Opinel die Urform des einfachen und robusten Klappmessers. Seitdem kaum verändert, ist es heute rund um den Erdball bekannt und in millionenfacher Stückzahl verbreitet. Insbesondere in Frankreich ist das Opinel ein absoluter Klassiker der Alltagskultur und eine Designikone. Hier die schön gemachte Homepage (klick). Neben der klassischen Linie gibt es auch immer wieder Sondereditionen, alles mit Liebe und in Handarbeit gemacht. Und das zu moderaten Preisen. In St-Jean-de-Maurienne gibt es ein Musée de l ´Opinel und in einem Kreisverkehr eine perfekt gemachte Messerskulptur.


Immer ein guter Begleiter bei kulinarischen Unternehmungen:
Einige Opinels aus meiner Sammlung im Einsatz



Morgen was zu den Weinen dort, Vins d Savoie...


Mittwoch, 11. Juli 2012

Torstens Genusskommentar: Albertville - La Toussuire

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Die heutige Etappe steht ganz im Zeichen der Erinnerung an den letztjährigen Alpenurlaub. Insofern kann ich behaupten, quasi fast die gesamte Strecke des heutigen Tages zu kennen., auch wenn wir sie „gestückelt“ und mit dem Auto gefahren haben...

In Albertville im Zentrum haben wir uns nicht umgesehen, aber die hübsche alte Festungsstadt Conflans gehörte zu den kulturellen Zielen unserer letztjährigen Tour. Ein wunderschöner alter Ort mit komplett erhaltener Befestigung, alten verwinkelten und steilen Gassen und schönen Häusern zum Teil mit Arkaden, eine alte Kirche und die Aussichtsterrasse mit dem Sarrazenenturm lohnen einen ausgiebigen Spaziergang in dem auf Tourismus getrimmten Ortsteil. Von der Terrasse schaut man auf die Olympiastadt und die umliegenden Gebirgsmassive, aber man kann, wenn die Zeit reif ist, auch von diversen Rebstöcken die Trauben naschen. Die Reben verschiedener autochthoner Sorten Savoyens sind dort zur Zierde des Parks und zum Kennenlernen in Pergolaerziehung gepflanzt, einen Winzer hat Albertville jedoch wohl nicht.

Festungsstadt Conflans 

Den ersten Teil der Etappe kennen wir aus der entgegengesetzten Richtung, wobei wir den Abschnitt zwischen Albertville und dem Abzweig der D213 auf der Schnellstraße zurückgelegt haben.

Aber schon auf den ersten Kilometern dieser Straße, die zum Col de la Madeleine hinauf führt, muss man stetig in beide Richtungen mit Radlern und waghalsigen Motorradfahrern rechnen. Hier geht es gleich von Beginn an richtig zur Sache, wie wir auch aus dem Auto heraus sehen konnten.
Nach etwa 30 km der heutigen Etappe müsste man den Biwak platz erkennen können, den wir zur Übernachtung genutzt haben, er ist oberhalb von Celliers und hat neben Picknicktischen, einer Wasserstelle und einer Toilette auch eine kleine Schutzhütte, in der wir übernachtet hatten, um einmal nicht das Zelt aufbauen zu müssen. Es wurde in der Nacht hier oben auch empfindlich frisch, insofern war das nicht die schlechteste Idee.

Am Tag zuvor hatten wir nach den Klettersteigen von Pontamafrey den Col de la Madeleine überquert. Die Angabe der Passhöhe variiert ein wenig, aber gut, ob nun 1995 m oder 2000 m... - wenn man, wie wir es taten auf dem Pass zur Hütte des Käsemachers hochsteigt, dann hat man die 2000 auf jeden Fall überschritten. Diese Hütte ist nur wenige Minuten zu Fuß vom Pass weg, wegen des tollen Käses frisch vom Erzeuger aber lohnt der kurze Fußmarsch auf jeden Fall. Neben Käse kann man hier auch Wurst und sogar Savoyer Wein von befreundeten Erzeugern kaufen oder einen Kaffee trinken. Der Wein gehörte allerdings in die Kategorie der überteuerten Weine der Region – hätten wir vorher gekostet, wären uns 18 € erspart geblieben, denn wir hatten den teuersten Roten mit einpacken lassen, in der Hoffnung auf ein wenig Plaisir zur regionalen Küche aus dem Trangia..

Ganz phantastisch sind natürlich auch die Blicke vom Col de la Madeleine, wenn die Wolken nicht zu tief hängen – so schaut man sowohl in Richtung des Mont Blanc Massives als auch zu den Aiguilles d´ Arves.

Blick vom Col de la Madeleine in die Richtung hinab,
in die heute runter gefahren wird.
Im Wolkenloch links gucken die Aiguilles d´ Arves durch.

Gedenktafel für Wouter Weylandt auf dem Col de la Madeleine 
In den Wintersportorten am Hang hatten wir nicht angehalten, dafür aber unten in La Chambre. Hier gibt es eine sehr interessante Kirche aus der Romanik zu sehen – wir hatten das Glück, dass sie sogar offen war. Unten werden die Fahrer mal kurz „in die Irre geschickt“ - statt gleich die Nationalstraße zu queren, müssen sie einige Kilometer im Tal der Arc hinab bis St. Remy und auf der anderen Seite wieder zurück  nach St. Etienne de Cuines – Anlauf nehmen für den Sprint sozusagen. Wir warten gleich am Intermarché und kaufen inzwischen bissel was an Lebensmitteln ein, denn die kleinen Läden hier oben sind a) teuer und b) erinnern sie wie der Lebensmittelladen in St. Colomban des Villards an Läden in Rumänien... Wir waren letztlich zwei mal froh über diesen Supermarkt...

Wir machen nun einen kleinen Sprung einige Tage zurück – als wir in die wirklichen Alpen einfuhren, war das unsere erste Route, wir bogen hier aus dem Tal der Arc ab und fuhren erstmal bergan bis zum ersten Picknickplatz vor dem ersten Teildorf von St. Alban des Villards.

Trangia deluxe auf dem Platz unterhalb des Klettersteiges von La Chal 

Nach dem Mittagspicknick dort und einem kurzen Intermezzo in der Touristeninformation von St. Colomban ging es dann weiter bis La Chal. Nach der Durchfahrt durch diesen Ortsteil und der Überquerung des Flüsschens gibt es einen Parkplatz mit Picknicktischen und Wasserstelle, den wir zum Biwak nutzten. Hier ist auch der Ausgangspunkt für die Via Ferrata La Chal, die wir an jenem Nachmittag natürlich durchstiegen hatten.

 Blick von der Via Ferrata La Chal auf St. Colomban, dieses Tal müsen sie heute hoch... 

Direkt am Picknickplatz startet ein Übungsklettersteig für Anfänger und Kinder, den man durchaus mitnehmen kann, wenn nicht zu großes Gedränge dort herrscht. Am eigentlichen Klettersteig eine knappe halbe Stunde weiter oben ist es auf jeden Fall ruhiger, denn der Steig ist durchaus schon recht anspruchsvoll, grade im zweiten Abschnitt hinter dem Notausstieg. Ich erinnere mich hier an eine technisch anspruchsvolle leicht überhängende Querung – der Klettersteig lohnt sich für Freaks dieser Sportart als echte Herausforderung.

Die Schlüsselstelle im oberen Teil der Via Ferrata La Chal
 ist das schräge Band, welches leicht überhängig quert

Tags drauf sind wir dann über die beiden Pässe Col du Glandon und Col de la Croix de Fer gefahren – natürlich nicht, ohne jeweils zu stoppen und die Aussichten zu genießen.

Blick vom Col de Glandon die Straße hinab, wo sie heute hochkommen 

Blick vom Col de la Croix de Fer zu den Aiguilles d´ Arves
Einige Kilometer vor St. Sorlin d´ Arves haben wir dann rechter Hand einen Parkplatz, der der Ausgangspunkt zu einem weiteren Klettersteig und dem nahebei gelegenen Klettergebiet ist – wir sind hier erst ein wenig geklettert – allerdings ohne Topo, weil die Tourismusinfo geschlossen war – und haben dann noch den Steig gemacht, der leichter als die meisten anderen Steige des Urlaubs war, aber dennoch seinen Reiz hatte. Im Dorf selbst haben wir dann auch noch eine schöne Kirche besucht, die an den Außenwänden eigenartigen Schmuck trägt, den Angehörige hier zum Gedenken an die Verstorbenen gemacht haben – quasi als Beschäftigung während langer einsamer Wintertage.

 Im Klettersteig von Saint Sorlin d´ Arves 

Kirche von St. Sorlin d´ Arves
Heute wird man sich da wohl eher an den Wintersporttourismus und vor allem an die Apres Ski Partys halten... Der Ort selbst deutet heute zumindest auf viel Massentourismus hin. 

Ganz im Gegensatz zu den einladend ruhigen Orten um das alte Dorf Albiez – Montrond hinter dem Pass Col de Mollard. Dieses Dorf ist in mehrere kleine Weiler unterteilt, wie so viele der Dörfer hier. Aber man erkennt, wenn man im Hauptort ist, denn nur hier gibt es eine nennenswerte Möglichkeit, sich zu versorgen. Neben einem Bäcker mit „artisanalem“ und entsprechend wohlschmeckendem Brot fanden wir einen tollen Laden mit Käse, Wurst und anderen Spezialitäten der Region am Hauptplatz. Die folgende Abfahrt wirkt recht „halsbrecherisch“, hoffen wir mal, dass da alle gut durchkommen – es hat ja schon genug schwere Stürze in diesem Jahr gegeben.

Blick von der Straße zum Col de Mollard auf die Aiguilles d´Arves 

In Saint Jean de Maurienne verabschieden wir uns dann von der Tourstrecke und lassen die Radler alleine den letzten Anstieg – quasi auf fast paralleler Straße wieder zurück  - in Angriff nehmen. Oben  um das Etappenziel gibt es für den Sommerbergfreund nicht viel, was den Umweg reizen würde – das ist eine Ecke, die dem Wintersport vorbehalten ist – oder den Radfahrern auf „Bergjagd“.

Wir fahren da lieber nach Pontamafrey – Montpascal, wo eines der besten Klettersteigerlebnisse auf uns wartet, welches man in dieser Gegend haben kann.

Wenn ich auch schon dem Thomas einige Fotos unserer letztjährigen Tour hier für den Artikel zum Einbauen mitgeschickt habe, so gibt es doch vielleicht den einen oder anderen, der davon noch mehr haben will – der lese hier im Tagebuch der letztjährigen Tour nach – beginnend mit der Via Ferrata La Chal am Beginn des Abschnittes, wo wir in die heutige Touretappe einbiegen – und dann fortlaufend bis wir in Conflans sind ( – oder vielleicht sogar noch weiter ?):

Letzter Post  - hier mit Fotos zu Conflans am Start der Etappe heute:

Zwischendrin sind aber auch mal Posts zu anderen Themen – einfach ignorieren oder auch lesen...