Dienstag, 8. Juli 2014

Torstens Genusskommentar: Le Touquet-Paris-Plage – Lille Métropole

Torsten (Priorat) Hammer schreibt zu den Etappen über seine vielfältigen Reise-und Genusserfahrungen

Le Touquet-Paris-Plage – Lille Métropole

Endlich erreicht die diesjährige Tour Frankreich. Ich klinke mich hier und da ein, wenn sich Erinnernswertes bietet – ich befürchte, das ist doch nicht unhäufig der Fall...
Das Land der Chti´s kenne ich bislang wenig, aber das Ziel der heutigen Etappe lohnt die Erinnerung – es war die Zeit der Flaschenexpansion – in meinem Keller. Ich war auf die Weinmessen der unabhängigen Kleinwinzer aufmerksam geworden und bereits im Februar mehrfach nach Strasbourg gepilgert, was von Bernburg aus doch eine ziemliche Reise war und bei winterlichen Bedingungen auch schnell zur Tortur werden konnte.

Da plötzlich bekam ich eine Einladung nach Lille – für Mitte November. Für mich in etwa genau so weit entfernt wie Strasbourg, aber wettermäßig vielleicht weniger unangenehm... und so konnte ich Lille entdecken. Bei meiner ersten Messe richtete ich mich noch auf das Übernachten im Zelt ein, dann aber fand ich die Jugendherberge im Stadtzentrum – mit Selbstkochküche und Parkplatz, fussläufig von der Ausstellungshalle im Grand Palais gut zu erreichen und alles sehr entspannt zu genießen.

Im Laufe der Jahre zog es mich dann nicht allein zur Messe, auch die Stadt Lille konnte mich mit jedem Jahr mehr begeistern, je mehr ich von ihr kennenlernte – zumeist abends nach den ausgiebigen Verkostungen auf der Messe.





Eine so große Messe ist natürlich anstrengend, über 400 Winzer aus allen Regionen Frankreichs stellen dort ihre Weine aus und man kann alles kaufen, was man will. Man kommt natürlich nur mit Disziplin und Programm da durch, eisern spucken und nicht kreuz und quer trinken. Ich hatte mir immer Themenschwerpunkte gesetzt, oft Gegenden, die ich weintechnisch kaum oder zu wenig kannte, Korsika und die Provence z.B., das Gebiet um Bergerac oder einige Cru´s aus dem Beaujolais oder die Loire-Tour, die ich über mehrere Jahre machte. Als der Keller zu voll wurde, kam ich auf die Idee, Burgund zu machen, weil man weniger Flaschen kauft (unterm Strich aber meist dasselbe Geld ausgegeben hat) Das Problem war, dass da grade die 2005er auf den Markt kamen. Am Ende war der Kofferraum dann doch immer voll...

Die Loire – Tour begann ich quasi mit den Weinen des Zentralmassivs und über die Jahre habe ich mich bis ins Anjou treiben lassen, Appellation für Appelation und da stets alle Winzer, die dabei waren – ich wollte schließlich etwas lernen.

In den letzten Jahren hatte ich dann auch Weinfreunde dabei, die von noch weiter weg kamen, aus der Nürnnberger Ecke und aus Ulm – das Jahr, wo wir zu dritt dabei waren, war natürlich auch das mit dem meisten Spaß. Überhaupt war in all den Jahren ein Wandel zu merken, in meinem ersten Jahr schaute man mich an, als sei ich vom fremden Stern. “Ein Deutscher!?!?“ - mit den Jahren konnte man immer öfter deutsche Stimmen hören.

So schön die Zeiten waren, irgendwann war es zu viel an Wein und das berühmte Platzproblem sorgte für einen Aussetzer, der leider bis heute anhält. Nur fahren wegen des Events, dazu ist der Weg allein zu weit. Auch wegen 12 oder 24 Flaschen gondelt man da nicht los – und inzwischen sind es für mich noch mal 100 km mehr allerdings sowohl nach Strasbourg als auch nach Lille.

Es gibt am Etappenende eine ziemliche Schleife durch die mir lieb gewonnene Stadt und auch am Grand Palais wird vorbei gefahren. Ich werde wohl was aufziehen müssen, was ich einst in Lille gekauft habe. Ein Bier aus Französisch Flandern wäre auch noch eine Alternative, aber dazu müßte ich in Frankreich sein. Hier habe ich keins davon. Also erzähl ich euch morgen, was ich heute im Keller zum Thema „Wein aus Lille“ gefunden habe...

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