Montag, 1. Juli 2013

2. und 3. ETAPPE: Korsika


Schon den dritten Tag wird auf Korsika pedaliert, eine Premiere. Denn noch nie war die Insel ein Bestandteil der Großen Schleife. Für Korsikafans sicher ein herrlicher Einstieg und ein optischer Genuß. Gerade heute führt die Strecke über die kurven- und kuppenreiche Küstenstraße im Nordwesten, mit grandiosen Blicken aufs blaufunkelnde Mittelmeer.
Ich war leider noch nie auf der Île de Beauté. Auf dem französichen Festland begegnet einem Korsika in kulinarischer Hinsicht ab und an als korsische Woche im Supermarkt. Da werden dann vor allem die rustikalen Würste und Pasteten sowie die würzigen Käse der Insel präsentiert. Aber die kennt man ja auch schon aus dem Asterix.

Der Weinbau auf Korsika hat eine durchaus wechselvolle Historie. Nach einer Boomzeit im 19. Jh. mit einer Anbaufläche von 15.000 Hektar, zwei Drittel der Bevölkerung lebte vom Weinbau, ging zunächst durch die Reblauskrise und dann durch die Erschütterungen der Kriege im 20. Jh. die Fläche auf 5000 Hektar zurück. Das reichte nicht einmal mehr, um den Weindurst der Korsen selber zu stillen.
In den 60er Jahren des vorigen Jh. wurde dann der moderne Weinbau auf Korsika durch ein Ansiedlungsprogramm für Zuwanderer und Flüchtlinge aus dem Algerienkrieg begründet. Die französische Regierung ermöglichte 18.000 pieds-noirs eine Existenz durch Landvergabe. Innerhalb weniger Jahre wurden fast 20.000 Hektar Rebfläche angelegt, bis im Jahre ´73 wieder 35.000 Hektar Fläche unter Reben stand. Korsika wurde zum Weinsee Europas.




Im Rahmen dieser Expansion kam es zum korsischen Zuckerskandal. Als reichten die auf der Insel ohnehin vorhandenen enormen Sonnenstunden zur Erzeugung schwerer, alkoholreicher Weinen nicht aus, wurde entgegen alle Vorschriften chaptalisiert, was das Zeug hält. Der korsische Import von Zucker stieg von 300 Tonnen im Jahr 1961 auf 22.000 Tonnen im Jahr 1971. In der Folge dieses Irrsinns gab es gar gewaltätige Auseinandersetzungen zwischen korsischen Nationalisten, algerienstämmigen Winzern und der Polizei, bei denen Todesopfer zu beklagen waren. Der Ruf des korsischen Weines war durch diese Panschereien jedenfalls verdorben, bis heute gibt es den Vorbehalt ggü. korsischen Gewächsen als einfacher Zechwein. Zudem ging es mengenmäßig wieder bergab, dreiviertel der Weinberge wurden gerodet.

All das bietet natürlich die Chance für einen qualitativen Neuanfang. Und eine Rückbesinnung auf das vorhandene Potential. Eine große Rolle spielen dabei die lokalen, italienischstämmigen Rebsorten Carcajolo NoirSciaccarello und Niellucciu (Sangiovese) für die Roten sowie Genovèse und Vermentinu für die Weißen. Das setzt zunehmend in der französichen Weinszene einen originellen Akzent.

Ich habe bisher nur einmal einen höherwertigen Wein der Insel verkostet, der war durchaus fein: Clos Poggiale 2006 Skali / Vin de Corse (großer Weinproduzent mit Schwerpunkt Südfrankreich) Ein italienisch-französischer Grenzgänger aus Korsika, bereitet aus Syrah und Nielluccio.
Bei uns im Massenbereich findet man vor allem den Réserve du Président in allen drei Farben, der von der BINDERER ST. URSULA WEINKELLEREI in München vertrieben wird. Hier muß man leider sagen: Nix Besonderes, hat die typischen Attribute eines kleinen Weines. Vorne eine künstlich, parfümiert aufgesetzte Süße, im Mund dann eine magere Bitternote, hinten superkurz. Da hatte ich mir für immerhin 5€ etwas mehr erwartet.







Kommentare:

  1. Hollister01 Juli, 2013

    In weiß ist der aber besser, hat sogar eine Auszeichnung bekomme!

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  2. ja ich weiß, der Chardonnay. Hol ich vielleicht auch noch mal. Ich wollte aber den roten Korsaren...

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